Sonntag, 18. Juni 2017

[Geburtstagsmonat] Lily Konrad - Protagonisteninterview mit Silvia Augustin

Oh, wie habe ich mich auf dieses Interview gefreut! Silvia Augustin, meine absolute Lieblings-Protagonistin in der „Robin-Trilogie“ (Staub von den Sternen, Was andere nicht haben und Diesseits der Unendlichkeit) hat einem Treffen mit mir zugestimmt. Nun stehe ich vor ihrem Haus in Frankfurt. Das Wetter ist schön und sonnig, fast frühsommerlich warm. Ich drücke die Klingel und warte voller Ungeduld und Neugier darauf, dass sich die Haustür öffnet. Es fällt mir kein bisschen schwer freundlich zu lächeln - vielmehr ist das gewissermaßen ein Selbstläufer.

Die Tür öffnet sich und da steht sie vor mir, „meine“ Silvia. Sie ist nicht viel jünger als ich, groß und schlank, mit langen dunklen Locken und freundlichen braunen Augen. „Lily“, ruft sie aus, während sie mich anstrahlt. „Endlich!“ Ohne viel Umschweife fällt sie mir um den Hals und drückt mich. „Es wird höchste Zeit, dass wir uns einmal persönlich begegnen.“ Dem kann ich nur zustimmen.

Einen Moment lang scheint sie unschlüssig, dann meint sie: „Es ist so herrliches Wetter. Wollen wir ein Stück zusammen spazieren gehen? Wir können uns doch auch dabei unterhalten.“ Ich muss lachen. Irgendwo still auf einem Stuhl zu sitzen ist nicht Silvias Ding. Sie braucht Action, wenigstens ein bisschen. Genau wie ich. „Meinetwegen gerne“, stimme ich daher zu und keine zwei Minuten später laufen wir gemeinsam die Straße entlang.

„Erzähl mir, Silvia, wie geht es dir jetzt?“, beginne ich das Gespräch. Sie strahlt über das ganze Gesicht und ihre Augen leuchten. „Es geht mir gut, Lily“, beteuert sie. Wenn ich sie mir so anschaue, glaube ich ihr das aufs Wort. „Ach was“, korrigiert sie sich jedoch gleich darauf, „Mehr als das. Ich bin glücklich.“

„Das liegt vermutlich an …?“, beginne ich. „Ja, genau“, lacht sie, „Das liegt an ihm. Aber das wollen wir doch noch nicht verraten. Das erfahren deine Leserinnen ja erst in Diesseits der Unendlichkeit.“ Sie beißt sich auf die Lippe und grinst. „Also in Band 3. Was für ein Glück, dass du den geschrieben hast, denn sonst hätte ich ja nie … Ach, verdammt, Lily, das wird aber schwer, mich nicht zu verplappern.“

„Dann erzähle mir von den anderen“, schlage ich vor. „Von Nora, Ulrike, Jenny. Wenn du magst auch von Laura.“

„Ach, Laura“, meint sie und schaut versonnen. „Meine Kleine ist erwachsen geworden, geht ihre eigenen Wege. Aber es ist schön, dass sie mich immer noch als Vertraute sieht und dass ich ihre Anlaufstelle bin, wenn sie mal nicht mehr weiterkommt.“

„Das wird auch so bleiben“, versichere ich ihr. „Dafür sind wir Mütter doch da.“

„Ja, ich weiß“, gibt sie zurück, „aber die Situationen, in denen sie nicht mehr weiterkommt, werden seltener. Ist ja auch normal, gehört eben zum Erwachsenwerden dazu. Zumal sie jetzt doch … jemanden hat.“

Ich werfe einen prüfenden Blick zu ihr hinüber. „Was hältst du von ihm?“, will ich wissen. „Magst du ihn? Den ‚jemand‘ in Lauras Leben?“

Sie nickt. „Die beiden passen prima zusammen. Das hast du gut gemacht.“

„Ich?“ frage ich grinsend zurück. „Ich habe gar nichts gemacht. Die beiden haben ganz allein zu einander gefunden. Ich hab’s nur aufgeschrieben.“

„Ach ja“, lacht sie. „Tu doch nicht so unschuldig.“

„Und Nora?“, lenke ich das Gespräch in eine andere Richtung. „Wie geht es der?“

Silvia wiegt den Kopf hin und her. „Sie hat sich sehr verändert, Lily. Günter ist ihre große Liebe, trotz des Altersunterschieds, und das Zusammenleben mit ihm hat ihr gutgetan. Sie ist viel stärker und selbstbewusster geworden als sie es früher war. Mit Günters Hilfe hat sie ihren Platz im Leben gefunden. Ich bin zuversichtlich, dass sie ihre jetzige Krise übersteht.“

Ich teile ihre Einschätzung, doch inzwischen hat sich Silvia in Fahrt geredet. „Kommen wir zu Ulrike“, setzt sie fort. „Die geht in ihrer Mutterrolle völlig auf. Aber das wird in ein paar Jahren zur Folge haben, dass sie umdenken muss. Ich kann nur hoffen, dass ihr Clara den ersten Enkel beschert, bevor ihre Tochter Stefanie erwachsen wird und das Haus verlässt. Andererseits sind Ulrike und Olli so eng mit einander.“ Silvia hält ihre rechte Hand hoch und legt den Mittelfinger über den Zeigefinger. „Da passt kein Blatt dazwischen. Solange er für sie da sie ist, brauchst du dir um sie keine Sorgen zu machen.“

Wir sind an einer Kreuzung angekommen. „Da hinten ist ein kleiner Park mit einem gemütlichen Café“, erklärt mir meine Gesprächspartnerin. „Bei diesem herrlichen Wetter können wir dort sogar draußen sitzen. Wollen wir?“

Ich habe nichts dagegen. Aber Silvia hat wohl ohnehin mit meiner Zustimmung gerechnet, denn sie hat den Weg bereits in die Richtung fortgesetzt, in der nach ihren Worten der Park liegt.

„Bleibt also noch Jenny“, spricht sie weiter, während wir auf das Café zu laufen. Sie zieht die Stirn dabei kraus. „Ich mochte sie nie so besonders“, gibt sie zu. „Irgendwie hatte ich immer das Gefühl, sie hat mir Robin weggenommen. Auch wenn das natürlich Unsinn ist. Aber inzwischen komme ich gut mit ihr klar. Mir war beruflicher Erfolg ja auch immer wichtig, aber für Jenny hat er noch eine ganz andere Bedeutung. Sie musste ihrem Vater beweisen, was in ihr steckt. Und so herzlos das jetzt klingen mag, seine Alzheimer-Erkrankung ist für sie nicht nur Fluch, sondern auch Segen. Endlich kann sie sich mit ihrer Mutter aussprechen ohne dass er ständig dazwischenfunkt. Ich glaube, dass die Annäherung überfällig war. Und diese Klärung hat positive Auswirkungen auf Jennys Umgang mit Becky.“ Erschrocken hält Silvia sich die Hand vor den Mund. Mit weit aufgerissenen Augen schaut sie mich an. „Durfte ich das mit dem Alzheimer ihres Vaters überhaupt sagen? Oder habe ich jetzt zu viel verraten?“

Ich muss lachen. „Ja, durftest du. Das ist eine Neuigkeit für alle, denn darüber habe ich in den Büchern nichts geschrieben“, beruhige ich sie. „Außerdem kann ich dich doch nicht interviewen und dir dann dauernd den Mund verbieten. Irgendwas musst du ja auch mal erzählen dürfen. Außerdem: Wenn ich nicht gewollt hätte, dass du von Jennys Vater erzählst, hätte ich dich schon vorher unterbrochen.“

Silvia atmet erleichtert auf. „Na, dann ist es ja gut.“ Wir haben das Café erreicht und treten ein. Silvia kennt sich hier aus. Sie lotst mich gleich durch das Lokal hindurch auf die Terrasse, hinter der sich der kleine Park erstreckt. Wir bestellen uns beide eine Latte macchiato und plaudern über Belanglosigkeiten. Erst als wir jede ein paar Schlucke getrunken haben und das Wetter beim besten Willen keinen Stoff mehr für weitere Gespräche bietet, frage ich vorsichtig: „Willst du über Robin reden?“

Sie seufzt, aber es ist ein glückliches Seufzen. „Er hat sich so sehr verändert, Lily. Wenn du das, was er heute ist, mal vergleichst mit den Anfängen, als du begonnen hast, Staub von den Sternen zu schreiben, kann man doch kaum glauben, dass das derselbe Mann ist, oder?“ Sie lächelt verträumt. „Er ist so viel verantwortungsbewusster, fürsorglicher, reifer geworden. Aber er hat sich ein Quäntchen von dem Draufgänger bewahrt, der er mal war und den wir Frauen doch so sehr an ihm lieben.“

Ich räuspere mich. „Ich werde mich morgen mit ihm treffen.“

„Schon wieder?“, rutscht es ihr heraus, während mich ein äußerst misstrauischer Blick trifft.

„Nun ja, diesmal ist es ein offizielles Interview“, erkläre ich. Meine Ohren fühlen sich heiß an, bestimmt sind sie feuerrot geworden. „Und wir treffen uns dafür in seinem Büro.“

In Silvias Augen beginnt es zu funkeln. „Zieh ein Kleid an“, rät sie mir. „Nicht zu lang. Und schwarze Strumpfhosen. Dann kriegst du alles aus ihm raus, was du wissen willst.“ Um ihre Mundwinkel zuckt es und gleich darauf lachen wir beide lauthals.

„Mache ich“, versichere ich. „Danke für den Tipp.“

Dabei lehne ich mich zurück und lächle sie an. Es macht Spaß, mit ihr zu quatschen, so von Frau zu Frau. Ich habe das Gefühl, wir werden uns von nun an regelmäßig unterhalten.

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