Montag, 26. Juni 2017

[Geburtstagsmonat] C. A. Raaven - E-Death: App ins Verderben

C. A. Raaven über "E-Death: App ins Verderben"

Wie ich auf meiner Website schon vor kurzem schrieb, war das Genre "Krimi" bisher etwas, an das ich mich nicht wirklich herangetraut habe. Umso erstaunter war ich daher, als ich beim näheren Nachdenken über eine Idee, die mir noch während der Arbeit am Manuskript von "BAT Boy 2" kam, immer mehr Aspekte der Story genau in Richtung dieses Genres zeigen sah. Es wurden Verbrechen begangen, aber die Hauptpersonen steckten nicht plötzlich in einer ausweglosen Situation (was ja eher für einen Thriller typisch ist), sondern beschäftigten sich mit deren Aufklärung. Alles lief auf den Punkt zu, wenn endlich klar wird, wer diese Verbrechen begangen hat und kurz vor Schluss gab es einen Twist, der einen vieles in einem anderen Licht sehen sah. Nichtsdestoweniger habe ich mich an das Projekt herangetraut. Hier ist die Geschichte der Geschichte.

Es war im November 2015, als ich eigentlich genug damit zu tun hatte, das Manuskript des zweiten Teils meiner Urban Fantasy Reihe auf die Veröffentlichung im Januar 2016 vorzubereiten. Mit einem Mal war da eine Frage, die sich mein Gehirn aus all dem, was in den Tagen zuvor so passiert war, zusammengesucht haben musste, um daraus etwas Greifbares zu destillieren. 



»Wir geben tagtäglich freiwillig Massen von Daten für die unterschiedlichsten sozialen Netzwerke oder auch nur zur Nutzung von Komfortfunktionen auf unseren Smartphones frei. Aber was passiert, wenn sich jemand genau solche Daten unbemerkt zunutze machen würde, um ganz eigene - möglicherweise sogar ziemlich kranke - Vorstellungen zu verfolgen?«




Wie in den meisten Fällen, wenn man gerade mit etwas komplett anderem beschäftigt ist, widmete ich dieser Frage zunächst keine weitere Aufmerksamkeit - schließlich galt es, den Drucksatz des Manuskripts zu vervollständigen. Aber die Frage drückte sich weiterhin im Hinterzimmer meines Geistes herum und blieb hartnäckig, bis ich ihr schließlich die Chance gab, zu einer Idee zu werden.


»Okay. Mal angenommen es gäbe so eine Person, die auf die Idee käme, sich zu finsteren Zwecken die Daten unbedarfter Menschen anzueignen. Wie könnten diese Zwecke beschaffen sein? Und was für eine Person wäre überhaupt in der Lage, so zu handeln?«


Schnell wurde mir klar, dass eine solche Person nicht nur hochintelligent und technisch versiert sein müsste. Sie müsste auch eine völlig verquere Vorstellung vom Zusammenleben in einer menschlichen Gesellschaft haben, um überhaupt so weit zu gehen. Dementsprechend könnten auch die Effekte, die solche wahnhaften Vorstellungen hervorbringen, ziemlich drastisch sein. Es lief also auf Mord und Totschlag hinaus - interessant.


»Na gut. Weiter im Text. Was muss einem Menschen geschehen, um letztendlich so abwegige Vorstellungen zu entwickeln und sie auch in die Tat umsetzen zu wollen?«


Grundsätzlich ging ich davon aus, dass nur sehr wenige Menschen von Geburt an mit einem psychischen Defekt dieses Ausmaßes ausgestattet wären. Aber da waren ja auch noch die, die erst im Verlauf ihres Lebens zu Psychopathen gemacht wurden. Plötzlich schwebte mir eine Familie im Kopf herum, bei der die üblichen Maßstäbe nicht anzusetzen wären. Ein hochintelligentes Kind, das aber nichts von seiner Begabung ahnt. Umgeben ist es von einem kontrollfixierten Vater, der keine Liebe zu kennen scheint, und einer Mutter, die nicht in der Lage ist, einem Kind die Fürsorge angedeihen zu lassen, die es braucht. Das Leben dieses Kindes wäre geprägt von Arbeit und Angst. Angst davor, etwas nicht zur Zufriedenheit des übermächtigen Vaters zu erledigen. Aber auch Angst vor einer in einem düsteren - eher dem Bau eines Tieres gleichenden - Zimmer vor sich hinvegetierenden Mutter. Dieses Kind müsste noch jung genug sein, um nachhaltig von den Glaubenssätzen des Vaters beeindruckt werden zu können, aber auch alt genug, um die Rolle eines Dienstboten für den Vater und einer Pflegeperson für die Mutter wahrnehmen zu können.


»So weit, so gut. Aber wie kannst du all das auch dem Leser klar machen, ohne eine ewig lange Einführung zu verfassen, die zum Schluss keiner lesen will?«


Nach einer gewissen Zeit des Überlegens fand ich eine gangbare Lösung. Die Leser würden die Entwicklung des Kindes begleiten, würden quasi in seinem Kopf all das miterleben, was letztendlich zur Ausbildung der krankhaften Vorstellungen führt. Es kamen Bilder vor meinem inneren Auge hoch, vor denen ich mich fast selbst erschreckte. Und doch wusste ich, dass ich das arme Kind durch diese psychischen Qualen schicken musste.


»Aber das alleine reicht doch nicht für eine fesselnde Geschichte. Wo ist der Konflikt? Wie soll denn die Spannung entstehen?«


Die Entscheidung in diesem Punkt war schnell getroffen: Das gesamte Buch würde zweigeteilt werden. Der düsteren Entwicklungsgeschichte wollte ich eine locker geschriebene Story der Personen gegenüberstellen, die sich letztendlich auf die Spur des verstörten ehemaligen Kindes machen. Diese beiden Geschichten sollten sich immer weiter aufeinander zu bewegen, bis sie schließlich eins wären.

Was denn? Keine weiteren Anmerkungen? Wo bleibt die provokante Frage aus meinem Hinterkopf?

Aber es gab sie nicht. Mein innerer Lektor war zufrieden und ließ mich machen. Und ich machte. Innerhalb einer für meine eigenen Begriffe ultrakurzen Zeit von nicht einmal zehn Monaten war der erste Entwurf des Manuskripts fertiggestellt und ist bei der Überarbeitung sogar noch erweitert worden. Am 01. Mai 2017 ist "E-Death: App ins Verderben" als E-Book und Printversion erschienen.

Auf meiner Website www.c-a-raaven.de oder der Facebook-Seite »C.A.Raaven« gibt es noch viele weitere Informationen rund um das Projekt und vielleicht auch die eine oder andere Aktion im Zusammenhang mit der Veröffentlichung. Vorbeischauen lohnt sich.

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