Montag, 12. Juni 2017

[Geburtstagsmonat] Angela K. Moon - Charaktere

Das ist Anarchie!
Oder: Charaktere machen, was sie wollen.

Kennt ihr das? Ihr schaut euch einen Film an. Oder eine Serie. Oder ihr lest ein Buch. Und ihr rechnet mit einer ganz bestimmten Handlungsweise des Charakters. Vielleicht auch mit einem bestimmten Ereignis in der Story. Und dann kommt plötzlich alles ganz anders.
Der Charakter ist dazu bestimmt, einen gewissen Weg zu gehen. Und dann entscheidet er sich anders. Eine Begegnung soll an einer festgelegten Stelle stattfinden – und der Charakter geht einfach ganz woanders hin.
Willkommen in meiner Welt.


Beispiel gefällig?
Planung sieht vor: Charakter 1 soll Charakter 2 in der Innenstadt treffen.
Ergebnis: Die Charaktere treffen im Wald aufeinander und bringen sich daraufhin direkt in Schwierigkeiten. Ungewollt. Völlig ungeplant.
Zugegeben, das Ergebnis funktioniert um einiges besser als die Planung. Aber es ist halt nicht das, was ich ihnen gesagt habe.


Oder auch:
Planung: Charakter 1 soll an einen bestimmten Ort gehen.
Ergebnis: Charakter 3 kommt Charakter 1 zuvor.
Manchmal fühle ich mich beim Schreiben wie ein Zuschauer. Ich nehme mir vor, die Charaktere in eine Richtung zu schicken – und sie gehen in die entgegengesetzte. Wie aus Protest. Und dann bin ich mir nicht mehr sicher: Schreibe ICH die Story jetzt, oder meine Charaktere? Bin ich nur Mittel zum Zweck? Wie viel Kontrolle habe ich tatsächlich über die Handlung?


Und am Ende denke ich mir nur: Egal. Das Ergebnis zählt. Solange es funktioniert, soll es mir recht sein. Das hindert mich aber nicht daran, trotzdem zu planen. Und zu versuchen, ihnen meinen Willen aufs Auge zu drücken.
Denn meist werden wir uns ja doch irgendwie einig.

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