Montag, 12. Dezember 2016

Wie entstand dein Buch "Die Herrschaft der Xarquen"?

Hallo ihr Lieben :)
Heute gibt es einen weiteren Beitrag zur Entstehungsgeschichte von Büchern. Diesmal möchte euch Lisa-Marie Reuter ihr Buch vorstellen. Meine Rezension findet ihr übrigens
hier.



Wie entstand eigentlich dein Buch »Die Herrschaft der Xarquen«, Lisa-Marie Reuter?

Mit nur zwei Namen fing alles an.

Ich war 15, ging in die neunte Klasse des Gymnasiums und hatte in diesem Schuljahr das Wahlfach Spanisch belegt. In der Mittagspause saß ich zusammen mit ein paar Freundinnen in der Aula unserer Schule. Wir alberten herum und nebenbei paukte ich Spanischvokabeln.

poner – legen, stellen, setzen
yo pongo – ich lege/stelle/setze
tú pones – du legst/stellst/setzt
él pone – er legt/stellt/setzt
nosotros ponemos – …


Plötzlich flatterte ein Name durch den Raum. »Hört mal!«, rief eines der Mädels. »Kiffi die Killerelfe!« Wir lachten uns schlapp. Zur Erinnerung, wir waren 15. Je alberner eine Idee, desto besser. Ich schaute wieder in mein Heft. Nur noch ein paar Minuten bis zur Spanischabfrage!

poner – legen, stellen, setzen
yo pongo – …



Pongo, das klingt auch wie ein Name, dachte ich. Eine passende Alliteration musste her. Pongo der – Pudel?
Pongo der – Panda?
Alles noch nicht albern genug.
Pongo der Pär. Schon besser!

Und noch lustiger: Pongo der Polizeipär. Perfekt!

Wir kringelten uns vor Lachen (habe ich erwähnt, dass wir erst 15 waren?) und ich kritzelte die beiden Namen in mein Heft.

Ein paar Tage später zog bei mir zu Hause unser erster Familiencomputer ein. Ein riesiger Klotz mit Windows Millennium-Edition als Betriebssystem. Für meine Schwester und mich war es ein Großereignis und auch wenn der PC kaum etwas konnte (ich glaube, anfangs hatten wir nicht mal einen Internetanschluss), setzten wir alles daran, möglichst viel Zeit vor dem magischen Bildschirm zu verbringen. Immerhin, ein Textverarbeitungsprogramm war installiert, und da ich immer schon gern geschrieben hatte, beschloss ich, es noch einmal mit einem Roman zu versuchen. (Frühere
Projekte waren allesamt nach ein paar handschriftlichen Seiten versandet.)

Nur ein Schreibanlass, der fehlte noch. Auf der Suche nach Inspiration fielen mir die beiden ulkigen Namen aus der Schulpause wieder ein. Das war doch schon etwas! Ich tippte gleich noch einen ulkigen Namen – Schmorzo H. von Krotzenhausen. Dann tippte ich einen Prolog und ließ Kiffi die Killerelfe ein Holzkästchen klauen. Warum tat sie das? Was war in dem Kästchen? Darüber würde ich mir später Gedanken machen. Stattdessen gab ich Pongo dem Polizeipären seinen ersten Auftritt, stellte ihm seine Freundin Amba zur Seite und schickte die beiden der räuberischen Kiffi hinterher.

Weitere Charaktere ploppten auf, die Handlung formte sich allmählich und als sich Kiffi und Pongo nach ungefähr sechzig Computerseiten (in der aktuellen Druckversion ist es Seite 78) endlich kennenlernten, stellte ich überrascht fest, dass aus dieser Geschichte tatsächlich ein ganzer Roman entstehen könnte. Da war ich immer noch 15, vielleicht schon 16, war zwar eine ausgemachte Leseratte, hatte mich aber nie ernsthaft mit Erzähltheorie, mit Plotstrukturen und Charakterentwicklung beschäftigt. Ich wusste nur, dass ich dicke Fantasybücher liebte und unbedingt selbst etwas so Tolles erschaffen wollte. Ich setzte mich also hin und überlegte, wie ich die vielen Handlungsstränge sinnvoll verknüpfen könnte, wie sich die Rätsel, die ich selbst gestellt hatte, beantworten ließen, wie die Welt funktionierte, die ich erschaffen hatte – ohne zu realisieren, dass ich gerade plottete, Worldbuilding betrieb und Szenenpläne erstellte.

Die erste Seite aus dem Urmanuskript und ein Zeitstrahl mit verschiedenen Handlungssträngen

So wuchs die Geschichte im Laufe von vier Jahren zu einem Manuskript von 200.000 Wörtern heran. Kurz vor dem Abi setzte ich den Schlusspunkt hinter den Epilog und freute mich einfach darüber, dass ich mein großes Ziel erreicht hatte – mein eigener Roman. Darüber, was mit dem fertigen Manuskript geschehen sollte, hatte ich mir kaum Gedanken gemacht. Selfpublishing steckte noch in den Kinderschuhen und einen Verlag zu suchen traute ich mich nicht so richtig. Zunächst standen sowieso Abi und Studienwahl auf dem Programm, weshalb ich den dicken Manuskriptordner erst mal ins Regal stellte, wo er in den folgenden fünf Jahren gehörig einstaubte.

Dort stünde er heute noch, wenn sich nicht kurz nach Ende meines Studiums eine Lehrerin meiner ehemaligen Schule bei mir gemeldet hätte. Sie betreute ein Projektseminar, in dem die Schüler*innen selbstständig ein Buch verlegen sollten. Sie hatte sich an mich und meinen Roman erinnert und fragte an, ob ich mein Manuskript für diese Zwecke zur Verfügung stellen würde. Ich sagte freudig zu, suchte die halb-vergessene Word-Datei wieder heraus und las zum ersten Mal seit Jahren meinen selbstverfassten Romantext. Ich erschrak ganz gewaltig – Das hatte ich geschrieben? Und es für eine tolle Geschichte gehalten? Himmel, was für alberne Namen! Logikbrüche hinten und vorne. Rechtschreibung, Zeichensetzung, alles Kraut und Rüben. Rückblickend war es ein Segen, dass ich damals nicht den Mumm gehabt hatte, das Manuskript selbst zu veröffentlichen. Für mich und meine Schreibkünste wäre das viel zu früh gewesen.

Weil ich die große Chance, die mir das Projektseminar bot, nicht verstreichen lassen wollte, setzte ich mich hin und überarbeitete. Alles. Von vorne bis hinten. Schrieb neu, stellte um, schmiss raus. Ich hatte mittlerweile genug Abstand zu meinem Text (und zu meinem 15-jährigen Ich), dass ich völlig verkorkste Absätze rigoros löschen konnte. Tatsächlich überlegte ich auch mehrmals, Kiffis schrägen Namen zu ändern. Letztendlich ließ ich ihn aber stehen, denn ohne diesen Namen wäre das Buch vermutlich niemals entstanden. Er gehört einfach dazu.

Trotz der vielen Änderungen und Streichungen reichte es immer noch für einen dicken Wälzer, den wir am Ende des Seminars stolz in den Händen hielten. Von den ersten getippten Seiten bis zum fertigen Buch hatte es mehr als zehn Jahre gedauert. An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass erst die Schüler*innen dem Roman seinen endgültigen Titel »Die Herrschaft der Xarquen« gaben. Mir selbst wäre vermutlich bis zum heutigen Tag nichts Vernünftiges eingefallen. Weil es bis zur Veröffentlichung hatte schnell gehen müssen und es zwischendurch die eine oder andere Panne gegeben hatte, verunzierten trotz all unserer Bemühungen zahlreiche Macken den Text. Mich wiederum hatte der Ehrgeiz gepackt. Auch wenn das Projektseminar zu Ende war, wollte ich, dass es mit meinem Buch weiterging.

So wurde ich (auch diesmal ohne es wirklich zu realisieren) zum Selfpublisher. In mehreren Schritten überarbeitete ich das Manuskript erneut und fing gleichzeitig an, mich intensiv mit dem Handwerk des Schreibens zu beschäftigen. Da ich noch immer die Vorstellung hatte, dass ich »ja nur« dieses Projekt zu einem runden Abschluss bringen wollte, verzichtete ich weitgehend auf fremde Hilfe. Über mein erstes Ziel, das Buch ins E-Book-Format zu konvertieren und online zum Kauf anzubieten, schoss ich schnell hinaus. Nach und nach entstanden eine Website, ein neues Cover, eine Taschenbuchversion. In diesem Kreativitätsrausch schrieb sich auch mein zweiter Roman fast wie von selbst – und liegt jetzt erstmal in der Schublade. ;)

Die neue Taschenbuchausgabe und die erste Version aus dem Schulprojekt

Schließlich kratzte ich all meinen Mut zusammen und reichte »Die Herrschaft der Xarquen« zur Begutachtung bei Qindie ein. Dieser Zusammenschluss von Independent-Autor*innen möchte Indie-Büchern, die sich qualitativ mit Verlagstiteln messen können, eine Plattform bieten. Nach einigen Wochen bangen Wartens kam tatsächlich eine positive Rückmeldung. Seitdem dürfen sich die Xarquen mit dem Q-Label schmücken – und ich bin einfach nur froh, dass sich die Mühe ausgezahlt hat. Weitere Infos zu Qindie und viele tolle Bücher findest du hier: http://www.qindie.de

Ein Buch in Eigenregie zu veröffentlichen und zu vermarkten macht wahnsinnig Spaß, aber es erzeugt auch eine Menge Nervenkitzel und schlaflose Nächte. Selbstzweifel sind die ständigen Begleiter fast aller Autoren, weshalb jedes freundliche Wort, jedes kleine Lob so wichtig für uns sind. Ich danke daher allen, die mich auf dieser abenteuerlichen Reise unterstützt haben. Auch der lieben Anna, die mir die „Sendezeit“ auf ihrem Blog gewährt. Und ganz besonders dir, weil du dir die Zeit genommen hast, diesen Text zu lesen.

Beinahe unnötig zu erwähnen, dass mein Kopf seither vor neuen Ideen überquillt. Es wird ganz bestimmt noch mehr von mir zu lesen geben. Hoffentlich nicht erst in zehn Jahren. ;)

Einen kleinen Einblick in meine aktuellen Projekte findest du auf meiner Website https://lisamariereuter.wordpress.com. Auch auf Facebook bin ich unterwegs: https://de-de.facebook.com/Lisa-Marie-Reuter-312203338936358/. Viele Infos und Extras zum Buch »Die Herrschaft der Xarquen« gibt es außerdem auf http://www.paerlonien.com. Und für eine ausführliche Leseprobe folge einfach dem Link zu Amazon: https://www.amazon.de/Die-Herrschaft-Xarquen-Lisa-Marie-Reuter-ebook/dp/B019FYGI3E/

Vielleicht treffen wir uns bei Gelegenheit auf einer der Seiten. Ich würde mich freuen.
Ganz liebe Grüße
Deine Lisa





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