Samstag, 24. Dezember 2016

Adventskalender Tag 24, der zweite

Hallo ihr Lieben :)
Heute wird es zwei Beiträge geben. Schließlich ist es Weihnachten. Als erstes stellt sich euch der Autor Ragnar Guba vor, der euch eins seiner Gedichte und eine seiner Kurzgeschichten vorstellen möchte. :)


Der Autor
• geb. am 23.10.1972 in Arnstadt/ Thüringen und lebt noch immer in der Nähe
• verheiratet, 2 Kinder
• singt in einem Kirchenchor
• schreibt Gedichte seit 1986 (bisher über 200)
• schreibt Märchen und Weihnachtskurzgeschichten seit März 2014
• bisherige Veröffentlichungen:
- Weihnachtsgedichte und –kurzgeschichten im „Arnstädter Weihnachtsbüchlein“ 2014 und 2015
- Märchen „Prinzessin Ohnekrone“ in der Märchenanthologie „Joshuas Märchenreich“ (2016)
• bietet Lesungen verschiedenster Art an, z.b. Märchenlesungen in Kitas, Grundschulen, Altersheimen, zu Kindergeburtstagen, auf Weihnachtsmärkten; oder eine Mischung „Gedichte-Kurzgeschichten-Märchen“ in der Vorweihnachtszeit; Wohnzimmerlesungen
• unterstützt mit einem Teil seines Honorars das Kinderhospiz Mitteldeutschland




Weihnachtsgedanken 2012 – Ragnar Guba
Und in den Stuben ist Advent.
Nicht, wie man es von früher kennt,
denn der Kommerz ist eingezogen.
Man wird um sein wenig Geld betrogen.

Kaum ist der Sommer hier vorbei,
steht in den Läden Weihnachtsleckerei.
Schon im Herbst füllt man sich ab
mit dem, was es sonst viel später gab.

Plätzchen, Kekse, Weihnachtsstollen-
alles, was nicht nur Kinder wollen.
Und der Schokoladenweihnachtsmann
steht im Regal ganz vorne an.

Großes Spielzeug tut sich auftürmen.
Menschen in Geschäfte stürmen.
Barbie, Playmobil und Co.
machen des Gestressten Herzen froh.

Ein neuer Computer soll es sein,
von Apple: viel drin und trotzdem klein.
Oder ein Handy, natürlich ein iPhone.
Hat doch fast die ganze Menschheit schon.

Uhren, Schmuck und neue Kleider,
Kaffeemaschinen und so weiter.
Die Liste wird wohl endlos sein.
Nur große Wünsche, keiner klein.

Doch Halt und Schluß mit dieser Gier.
Seid ihr sicher, das wollen wir?
Kehret alle in euch ein:
Soll das der Geist der Weihnacht sein?

Sind es nicht eher die Kinderaugen,
die leuchtend an das Christkind glauben,
wenn strahlend schmücken Lichter den Baum?
Für Kinder ist das wie ein Traum!

An die Liebe sollt ihr euch besinnen.
Haltet sie fest, tief im Herzen drinnen.
Und ein großes Gut ist die Gesundheit.
Denkt an sie, nicht nur zur Weihnachtszeit!

Und in die Herzen kehret ein:
weihnachtliche Ruh‘.
Bleibt gesund und liebt einander
und hört einander zu!



Der Mondschäfer
Es war einmal und war auch nicht in einem Dorf nicht weit von hier. Da lebte ein Mädchen, welches ein Waisenkind war, bei einem Bauernpaar und wurde dort schlecht behandelt.  Ihr wurden nur die schwersten Aufgaben aufgetragen und musste in einem Lager aus Stroh bei den Schweinen schlafen. Wann immer sie konnte, ging sie in die Wälder und durch die Felder. Dort schien alles Leid weit entfernt von ihr.
Eines Nachts schlich sie sich heimlich aus dem Haus und ging auf eine große Wiese, die weiter entfernt von ihrem Dorf lag. Das Licht des Mondes begleitete sie auf ihrem Weg. Es war eine warme Sommernacht und in der Ferne hörte man nur den Ruf einer Eule. An der Wiese angekommen, legte sie sich in das weiche Gras und sah in die Sterne. Sie erfreute sich am Funkeln der unendlichen Lichter und ab und zu konnte sie eine Sternschnuppe sehen. In dieser Nacht hörte sie plötzlich noch andere Geräusche. Es waren Schafe, die in der Ferne blökten. Das Mädchen wunderte sich und ging den Geräuschen nach. Am Ende der Wiese erkannte sie im Mondschein eine Schafherde und deren Schäfer. Es war ein junger kräftiger Mann mit blond gelockten langen Haaren. Sie hatte ihn noch nie gesehen. Vielleicht war es ein Wanderhirte, der hier Halt machte.
Da sie neugierig war, ging sie auf die Herde und den Schäfer zu. Die Tiere bemerkten das Mädchen und blökten sie an. Der junge Schäfer wirkte erschrocken, als er das Mädchen sah.
„Wie heißt du?“, fragte sie.
„Ich bin ein Mondschäfer, man nennt mich Lunus.“
„Ich habe dich noch nie in unserer Gegen gesehen. Woher kommst du und wohin ziehst du mit deinen Schafen?“
„Schon immer bin ich in dieser Gegend zu hause. Ich ziehe nicht umher“, antwortete er und deutete ihr, sich mit ihm ins Gras zu setzen.
„Nie zuvor habe ich dich gesehen“, sagte das Mädchen erstaunt.
„Nur, wenn der Mond mit seinem Licht die Erde beleuchtet, sind meine Schafe und ich sichtbar. Tagsüber oder wenn in der Nacht die Wolken am Himmel stehen, bleibe ich verborgen. Vor langer Zeit wurde ich von einer bösen Hexe mit diesem Fluch belegt“, antwortet Lunus.
Das Mädchen war traurig darüber, denn sie mochte den Schäfer gut leiden. Also fragte sie ihn, wann sie ihn wiedersehen darf. Und Lunus sagte:
„In jeder Nacht mit Mondlicht wirst du mich hier auf dieser Wiese finden. Ich freue mich, wenn du mich besuchen kommst.“

So verabschiedeten sich beide voneinander und das Mädchen kehrte von nun an in jeder Mondlichtnacht zurück auf die große Wiese und traf sich heimlich mit dem Schäfer Lunus.
Viele Tage ging das so, bis das Wetter schlechter wurde und der Himmel Tag und Nacht voller Wolken hing. Es gab jetzt keine Möglichkeit für die beiden, sich zu sehen. Das Mädchen wurde von nun an immer trauriger.
Eines Tages ging sie tagsüber nach getaner Arbeit auf die Wiese, um ihren Lunus nahe zu sein. Doch musste sie vor Sehnsucht bitterlich weinen. Da geschah es, das eine gute Fee vor ihr stand und fragte, warum sie so traurig sei. Nachdem das Mädchen  ihr berichtet hatte, warum sie voller Trauer ist, sprach die gute Fee zu ihr:
„Sei nicht betrübt, mein Kind. Es gibt einen Weg, den Fluch von deinem Schäfer zu nehmen. Du musst das Mondlicht mit einem Netz einfangen und einen Stoff daraus weben. Aus diesem Stoff fertigst du einen Schäfermantel an und bringst ihm deinen Liebesten in jener Nacht, wenn der Mond am höchsten am Himmel steht. Nur eins musst du beachten: sprichst du mit ihm in dieser Zeit über dein Vorhaben, so wirst du scheitern. Du darfst über alles mit ihm reden, nur nicht, dass du ihn retten möchtest. Geschieht das, so ist er für immer verloren.“

Das Mädchen merkte sich die Worte gut, besorgte sich von einem Fischer ein Netz, welches er nicht mehr brauchte und wartete sehnsüchtig auf die nächste Mondlichtnacht. Die erste verbrachte sie bei ihrem Lunus, aber ihre Gedanken waren schon bei der nächsten Nacht. Als diese gekommen war, ging sie nicht zum Schäfer auf die Wiese, sondern in eine andere Richtung, um das Mondlicht mit dem Netz einzufangen. Sie breitet es zwischen ihren Armen aus und lief geschwind durch die Nacht. Das Licht des Mondes blieb im Netz hängen und so konnte sie es mit nach Hause nehmen. Alsbald begann sie, daraus einen Stoff zu weben. Aber sie vergaß auch den Schäfer nicht: in einer Nacht besuchte sie ihn und in der anderen Nacht arbeitete sie. Und als der Stoff fertig war, begann sie, aus ihm einen Schäfermantel zu nähen. Zum Mondschäfer sprach sie nie ein Wort darüber. Und wenn sie ihn nicht besuchen konnte, sagte sie ihm, dass sehr viel Arbeit auf dem Hof auf sie wartete.
Tag um Tag und Nacht um Nacht vergingen, bis die Arbeit am Schäfermantel vollendet war. Jedoch musste sie auf die nächste Mondlichtnacht warten. Sie legte den Mantel in ein Stofftuch und ging auf die Wiese. Dort angekommen sprach sie zu Lunus:
„Ich habe dich so lieb, dass ich dich auch in bewölkten Nächten und am Tag sehen und bei mir haben möchte.“
„Das wünsche ich mir auch, aber ich kann nichts gegen mein Schicksal machen“, antwortete Lunus traurig.
„Ich habe einen Weg gefunden, dir zu helfen. Ich begegnete einer guten Fee, die mir sagte, wie der Fluch von dir genommen werden kann. Ich habe das Mondlicht eingefangen, daraus einen Stoff gewebt und aus ihm einen Schäfermantel genäht. Ich durfte jedoch nicht mit dir darüber reden. Sieh her, die Arbeit ist vollbracht“, sprach das Mädchen und hob den Mantel aus dem Stofftuch.
Das Mädchen war im Nähen sehr begabt. Der Schäfermantel bestand aus dunkelblauem Samt, welcher mit unzähligen silbernen Fäden durchzogen war. Zwischen ihnen glitzerten viele kleine silberne Punkte, dass der Mantel aussah, wie der unendliche Sternenhimmel.

Das Mädchen legte den Mantel um den Hals des Schäfers und so war der Fluch für alle Zeit von ihm genommen. Von jetzt an lebten beide glücklich bis an ihr Lebensende.
Großmonra, 27. September 2016


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