Sonntag, 10. Juli 2016

[Rezension] Zwei Seiten einer Mauer von Alexander Stapper

»Unter Theos Füßen, die von der Mauer herabbaumeln, haben sich einige von ihnen angesammelt. Sehen kann er sie nicht. Einzig das leise Kratzen am Stein und das Röcheln sagen ihm, dass sie da sind. Bestimmt greifen ihre Hände nach seinen Füßen. Ob sie wohl irgendwann begreifen, dass ihre Bemühungen völlig sinnlos sind? Sie können es noch so oft versuchen, die letzten Meter fehlen am Ende doch. Die obere Kante bleibt für sie unerreichbar.«
Nach einer weltweiten Epidemie wächst Theo hinter einer hohen Mauer auf, die ihn vor den Infizierten beschützt. Die Katastrophe liegt weit zurück, Ordnung und Struktur sind wieder eingekehrt. Doch eines Abends macht er eine Entdeckung, durch die sein gesamtes Weltbild ins Wanken gerät. Quelle

Früher leuchteten die großen Scheinwerfer auf der Stadtmauer. Inzwischen werden sie nur noch selten eingeschaltet, etwa, um ihre Funktionsfähigkeit zu überprüfen.


Das Cover zeigt die Anfangsszene. Den Protagonisten, wie er auf der Mauer sitzt und unter ihm die Infizierten nach ihm greifen. Es gefällt mir gut, da es sehr gut zum Inhalt passt.

Der Schreibstil ist mittelmäßig. Am Anfang war er sehr holprig und jugendlich, wurde aber im Verlauf flüssiger und wesentlich besser zu lesen. Wie schon oben erwähnt, beginnt der Autor dem Leser erst einmal ein wenig über die Welt in der Theo lebt zu erzählen. Den Anfang finde ich daher sehr spannend und interessant. Allerdings finde ich es sehr schade, dass der Autor am Anfang darauf verzichtet hat, die Umgebung zu beschreiben. Ich konnte mir leider nichts unter der Stadt vorstellen und auch nicht, warum es Infizierte gibt. Diese Frage wurde leider im Verlauf des Buches nicht beantwortet. Die Spannung der ersten Seiten nahm leider sehr schnell ab und das Buch hat sich sehr gezogen, da nichts passierte und wenn etwas geschehen war, passierte dann doch nichts Rasantes was mich vom Hocker reißen konnte.

Die Idee des Buches hat mir gut gefallen, jedoch die Umsetzung leider nicht. Der Klappentext verspricht dem Leser, dass er eine Geschichte lesen kann, die ihn von Angesicht zu Angesicht mit Zombies oder eben Infizierten stellt. Leider war das nicht der Fall. Denn diese stehen nur am Rande und kommen so gut wie nie zum Zug. Das fand ich sehr schade, da so einiges an Spannung hätte entstehen können.

Die Charaktere waren mir etwas zu blass. Ich habe doch sehr wenig von ihnen erfahren und so richtig hineinversetzen konnte ich mich auch nicht in sie. Es wäre schön gewesen, wenn ich etwas mehr über sie erfahren hätte, sodass ich mich besser mit ihnen identifizieren kann. Leider hatte mir auch das Verhältnis zu seinen Freunden und seiner Familie nicht gefallen. Alles war so ein wenig lieblos und kalt und teilweise ein wenig komisch.

Für das Ende hatte ich mir viel versprochen, da es in der Regel immer am spannendsten ist und es zum großen Showdown kommen sollte. Leider weit gefehlt. Ca. 3/4 des Buches gab es einen Cut und wir erfahren nichts mehr von Theo sondern eine bislang unbekannte Person nimmt seinen Platz ein. Zwar erfährt man dann noch etwas, aber das runde Ende bleibt aus. Vielmehr gibt es einen Cliffhanger, der mich überhaupt nicht zufrieden zurücklässt. Für mich sind leider nicht alle Fragen geklärt. Laut dem Autoren sind alle Hinweise im Buch versteckt. Anscheinend habe ich die aber überlesen. Jedoch meint er, dass es vielleicht eine Fortsetzung geben wird. Ob ich diese lesen möchte, lass ich an dieser Stelle offen.

Meine Bewertung
2,4 Sterne


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