Dienstag, 8. Dezember 2015

Adventskalender Tag 8: Engelslicht



Hallo ihr Lieben :)
Heute öffnet sich Türchen 8. Dahinter versteckt sich eine schöne Geschichte von Katharina Gerlach, deren Autorenseite ihr hier findet.
Außerdem gibt es noch ein kleines Gewinnspiel, bei dem ihr ein Ebook im Sinne einer Faltkarte mit QR-Code von einem ihrer Märcheninterpretationen gewinnen könnt.
 
Kurz zur Autorin:

Schon seit ihrer Kindheit sucht Katharina Einhörner, Kobolde, Hexen und Drachen. Sie findet sie an den unmöglichsten Orten und verkleidet sie dann, um sie in ihre Geschichten zu stecken. Erstaunlicherweise fühlen sich bisher alle eingefangenen Wesen dort recht wohl. Wer sich für Katharina's Jagdzüge interessiert findet die Details auf ihrer Homepage: http://de.katharinagerlach.com
 





Engelslicht
Jenna lag auf ihrem Bett und versuchte, den Stimmen nicht zu lauschen, die durch die dünne Wand drangen, die ihr Zimmer vom Wohnzimmer trennte.

„Es tut mir wirklich Leid, aber ich glaube nicht, dass er die Nacht übersteht.“ Die Stimme des Arztes klang so gedämpft wie immer. „Nur ein Wunder kann ihn jetzt noch retten.“

Mama antwortete nicht; das tat sie so gut wie nie. Jenna wusste, dass sie Brents Gesicht anstarrte und dabei seinen zerquetschten Schädel sah, trotz der Operationen im letzten Jahr, die die Knochen gerichtet hatten. Jenna vergrub sich tiefer in ihrem Kissen und versuchte an etwas anderes zu denken, aber am heutigen Heiligabend schien das unmöglich. Gott sei Dank würde Zach jede Minute hier sein. Er würde ihr helfen.

Eine freundliche Hand wärmte ihre Schulter.

„Du solltest mit deiner Mutter reden.“ Zachs Stimme wiederholte den Rat, den er ihr seit fünfzig Wochen gab, seit dem Tag, als sie ihn kennengelernt hatte.

„Sie sieht mich nicht mehr“, wiederholte Jenna ihre Antwort zum fünfzigsten Mal. Mit einem Seufzer setzte sie sich auf. Obwohl sie Zach einen Wohnungsschlüssel gegeben hatte, wusste sie nicht, wie es ihm gelang , nahezu lautlos zu kommen und zu gehen. Als sie in seine himmelblauen Augen sah, beruhigte sich das Chaos ihrer Gedanken. Abgesehen von seinen Augen schien sein Gesicht immer etwas unscharf, als wäre es von innen beleuchtet.

Jenna bemerkte es schon lange nicht mehr. Er war ihr Schutzengel. Er hatte sie gerettet, als sie sich zwei Wochen nach dem Unfall mit Schlaftabletten umbringen wollte. Zwei Wochen voll Sehnsucht und Reue und Selbsthass. Zwei Wochen, in denen ihre Mutter sie nicht angesehen hatte. Danach hatte er ihr weitere fünfzig scheinbar endlose Wochen lang beigestanden, ihren Schmerz gelindert und ihr geholfen, mit den Schuldgefühlen und der geistigen Abwesenheit ihrer Mutter, klar zu kommen.

Die Haustür fiel klickend hinter dem Arzt ins Schloss.

„Die Zeit für Entschuldigungen ist gekommen“, sagte Zach.

„Ich hab doch gesagt, sie hört mich nicht.“

„Heute Nacht schon.“ Zach nahm Jennas Hand und zog sie in die Höhe. Schlagartig wurde sein Gesicht scharf, als hätte man eine Kameralinse nachgestellt. Er leuchtete tatsächlich von innen. Riesige Schwingen streckten sich der Zimmerdecke entgegen, und eine beruhigende Wärme strömte von seinen Fingern in Jenna. „Es ist Weihnachten.“

„Was ...? Wer ... Bist du ...? Du bist ...!“

„Zacharias, ein Cherubim. Heute Nacht kann ich deiner Familie endlich helfen.“

„Warum?“

„Die Gefallen haben Halloween. Wir haben Weihnachten“, sagte er und führte sie zur Tür. Ihr Körper blieb zurück.

Mit offenem Mund folgte sie ihm ins Wohnzimmer, zu benommen, um sich dagegen zu wehren. Brent stand neben dem Krankenhausbett und starrte seinen Körper an. Als Jenna und Zacharias hereinkamen, sah er auf und lächelte sein Sonnenscheinlächeln. Jennas Herz verkrampfte, als sie bemerkte, dass sein Körper nicht ebenfalls lächelte. War die Verbindung von Körper und Seele so schwach geworden?

„Hi Schwesting.“ Brent kam ihr entgegen und schlang seine Arme um sie, wie er es früher getan hatte. Selbst als Geist … Seele … oder was auch immer, reichte er ihr nur bis zur Brust. Er würde nie die Chance haben, ihr über den Kopf zu wachsen. Tränen schossen ihr in die Augen.

Brent drehte sich zu Zacharias um und sah ihn bewundernd an.

„Bist du gekommen, um mich zu holen?“

„Ich bin hier, um sicherzustellen, dass heute Nacht zwei Seelen nicht die Welt verlassen.“ Zacharias Stimme, so leise sie auch war, beruhigte Jennas Seele. Es dauerte eine Weile, bis sie begriff, was seine Worte andeuteten. Nachdem er sie gerettet hatte war er geblieben, um auch ihre Mutter zu retten; nur ihre Mutter!

„Nein!“ Sie zog Brent an sich. „Du kannst ihn nicht haben.“

Zacharias lächelte sie an. Dann bückte er sich und packte das Handgelenk ihrer Mutter. Mit einer fließenden Bewegung zog er sie aus ihrem Körper.

Sofort klebte ihr Blick an Brent, als gäbe es sonst niemanden im Raum. Sie schoss auf ihn zu und umarmte ihn, als wolle sie ihn nie wieder loslassen. „Brent. Liebling. Ich habe dich so vermisst.“

„Mama! Ich bin doch kein Baby mehr.“ Mit aller Kraft eines Siebenjährigen versuchte er sich aus ihrer Umarmung zu befreien, aber sie ließ ihn nicht los.“

„Sprich mit ihr“, ermutigte Zacharias Jenna. „Du musst nur einen Weg in ihre Welt finden.“

„Lebt sie denn nicht in derselben wie wir?“

„Sie sieht sie anders.“ Zacharias nahm Jennas Hand und berührte die Schulter ihrer Mutter. Für den Bruchteil einer Sekunde bemerkte Jenna feine Unterschiede im Zimmer. Die Tapete schien ausgebleichter, die Fenster schmieriger und Mamas Lieblingskinkerlitzchen staubiger. Zacharias fuhr fort: „Wenn du einen Weg in ihre Sicht der Dinge findest, wird sie dich hören.“

Jenna überlegte, wie sie in die Gedanken ihrer Mutter kommen könnte. War das überhaupt möglich?

„Mama, du kannst mich jetzt loslassen. Ich werde ja ganz nass“, beschwerte sich Brent.

Die Mutter hielt ihn auf Armlänge von sich und wischte sich die Augen. „Ich bin ja so froh, dass es dir besser geht.“

Eine Idee huschte durch Jennas Gedanken.

„Brent, kannst du Mama zeigen, wo ich bin?“

Er sah sie an und nickte.

„Mama, Jenna will mit dir reden.“ Er zeigte auf sie.

Als sich ihre Mutter zu ihr umdrehte, zog sich der Raum in die Länge, bevor er ruckartig wieder auf normale Dimensionen zusammen schrumpfte.

„Was?“ Mamas Stimme schien von weit her zu kommen, und sie verengte die Augen zu Schlitzen, als versuche sie, besser zu sehen.

Jennas Herz schwamm in ungeweinten Tränen, aber sie trat vor. „Es tut mir Leid, Mama. Das ist alles meine Schuld, aber ich hatte wirklich nicht vor, Brent zu überfahren.“

„Jenna? Bist du das?“ Mama stand auf und drehte sich mit einer Hand auf Brents Schulter zu ihr um. „Wo warst du? Ich hab dich nicht mehr gesehen seit … ich weiß gar nicht mehr wie lange.“

Zweiundfünfzig einsame Wochen lang, dachte Jenna. Dreihundert fünfundsechzig leere Tage hast du dich in deinem Schmerz versteckt. Ihre Stimmer zitterte, und sie sah den Engel an.

„Kann Brent nicht bleiben, und ich gehe an seiner Stelle?“

„Nein.“

„Aber das ist mein einziger Wunsch zu Weihnachten.“

„Ich kann kein Leben nehmen. So ein Engel bin ich nicht. Meine Kraft liegt in der Vergebung.“

Jenna verstand. Sie wandte sich an ihre Mutter.

„Bitte verzeih mir, Mama. Ich wollte Brent nicht wehtun.“

Die Augen ihrer Mutter wurden groß.

„Aber Liebes, das weiß ich doch. Er hatte sich hinter deinem Autor versteckt. Du konntest ihn gar nicht sehen.“

„Warum ignorierst du mich dann die ganze Zeit?“ Jennas Stimme zitterte.

„Das tut mir Leid.“ Die Mutter nahm Jenna in die Arme und drückte sie an sich. „Ich wollte so viel Zeit wie möglich mit Brent verbringen. Mir war doch klar, dass ich ihn bald verlieren würde, und ich dachte, du hättest das verstanden.“

Bevor Jenna dazu etwas sagen konnte, legte Zacharias eine Hand auf ihre Schulter und die andere auf die ihrer Mutter.

„Frohe Weihnachten.“ Seine Stimme klang wie ein Choral. Dann begann sein Körper zu leuchten, heller und heller und heller. Bald war das Licht unerträglich gleißend. Jenna schloss die Augen.

„Wach auf, Jenna. Es ist Weihnachten!“ Mamas Stimme war voller Gefühle, die Jenna nicht erkannte. Noch schläfrig krabbelte sie aus dem Bett. Stand sie nicht eben noch im Wohnzimmer? Ach ja, das war ja ihre Seele gewesen, nicht ihr Körper. Während sie den erholsamsten Schlaf abschüttelte, den sie seit dem Unfall gehabt hatte, folgte sie ihrer Mutter. Als sie durch die Tür ins Wohnzimmer trat, fiel ihr der Kiefer herunter.

Brent saß in seinem Bett und mampfte sein Lieblingsmüsli. Mit vollem Mund fragte er: „Warum haben wir dieses Jahr eigentlich keinen Weihnachtsbaum?“

Gewinnspiel
Wie schon oben benannt, dürfen sich zwei liebe Menschen über eine Faltkarte mit QR-Code (für ein Ebook) freuen. Mit der Karte könnt ihr euch ein Ebook einer Märchenadaption der Autorin herunterladen.


Wenn ihr eins der Karten gewinnen wollt, hinterlasst mir einfach ein Kommentar, wieso ihr sie gewinnen wollt und was ihr euch für Weihnachten wünscht.
Und Wichtig: Hinterlasst mir eure Emailadresse, damit ich euch im Falle eines Gewinns benachrichtigen kann.

Teilnahmebedingungen:
- Teilnahme ab 18 Jahren oder mit Einverständniserklärung der Eltern.
- Leser meines Blogs sein
- Für den Verlust über den Postweg wird keine Haftung übernommen.
- Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich.
- Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
- Einverständnis, dass die Adressdaten an den Autoren weitergegeben werden.
- Das Gewinnspiel geht vom 08.12.2015 05:00 Uhr bis 10.12.2015 um 05:00 Uhr.

Ich wünsche euch viel Glück :)



 

 



Kommentare:

  1. Guten morgen

    Das klingt ja total toll und da ich Määrchen total mag versuche ich gerne mein Glück!

    Ganz liebe Grüße
    Melanie

    melaniemallek@gmail.com

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