Sonntag, 5. Juli 2015

[Autoreninterview] Lily Konrad


Stell dich doch einmal kurz vor.
Mein Name ist Lily Konrad – zumindest ist das mein Autorenname – und ich bin am 21. Februar 1959 geboren. Ich wohne in Butzbach (das ist ca. 45 km nördlich von Frankfurt am Main), bin glücklich verheiratet, habe zwei erwachsene Söhne und eine fast erwachsene Tochter.

Was hat dich dazu bewegt, Bücher zu schreiben?
Ich schreibe seit ich 6 Jahre alt bin. Ebenso lange (mindestens) denke ich mir auch schon gern Geschichte aus. Näheres zu diesem Thema und den Grund, weshalb ich ausgerechnet meinen Großvater dafür verantwortlich mache, findet ihr übrigens auf meiner Homepage www.lily-konrad.de ;) Als Teenager habe ich mir die Wirklichkeit gern in Gedanken bunter gemalt, wenn sie mir zu eintönig erschien. Die Idee, ein Buch zu schreiben spukte daher schon lange in meinem Kopf herum. Aber erst der plötzliche Unfalltod eines nahen Verwandten und lieben Freundes brachte mich dazu, den Plan in die Tat umzusetzen, statt ihn auf die lange Bank zu schieben. Allerdings habe ich lange nur für mich und ein paar „Eingeweihte“ geschrieben. Erst 2013 habe ich meinen ersten Roman („Staub von den Sternen“) veröffentlicht.


Wie entwickeln sich deine Ideen zu den Büchern? Wodurch wirst du inspiriert?
Nicht ich komme auf Ideen - die Ideen kommen zu mir. Ich „finde“ ein Stück Erzählfaden. Eine Szene, eine Person, manchmal nur eine bestimmte Stimmung. Das schaue ich mir genauer an und wenn es mir interessant erscheint, verfolge ich es weiter. Dabei stehen für mich immer die handelnden Personen im Mittelpunkt. Also: Was haben sie gedacht und empfunden? Kann ich es nachvollziehen? Denn nur dann macht es für mich Sinn, weiter zu beobachten

Hat sich dein Leben verändert, seitdem du begonnen hast Bücher zu schreiben?
Rein äußerlich? Ich schaue kein Fernsehen mehr und mein Laptop kommt mit in den Urlaub. Die eigentliche Veränderung ist aber in meinem Kopf passiert, denn ich lebe gewissermaßen in (mindestens) zwei Welten: In der realen und in der des Buches, das ich gerade schreibe. Etwas kompliziert wird es, wenn ich (wie im Augenblick) an mehreren Projekten gleichzeitig schreibe.

Hast du zwischendurch auch mal Schreibblockaden? Was machst du dagegen?
Das ist zum Glück kein großes Problem für mich, wenn wirkliche Blockaden gemeint sind und nicht der Umstand, dass mir manchmal schlicht die Zeit zum Schreiben fehlt. Meine erste und bisher einzige Blockade hatte ich, als ich begann meinen ersten Thriller „1001 Angst“ zu schreiben. Ich glaube, ich war im Grunde davon überzeugt, dass ich das niemals schaffen könnte. Ich habe dann erst einmal etwas vollkommen anderes geschrieben (eine Kurzgeschichte, die ich nicht veröffentlicht habe). Als ich dann merkte, dass ich „es“ noch kann, habe ich mich endlich an den Thriller getraut

Gab es irgendwann mal einen Zeitpunkt, an dem du am liebsten alles über Bord geworfen hättest? Was hat dich dazu bewegt weiter zu schreiben?
Oh ja, solche Momente gibt es häufig. Bei jedem Buch und auch zwischendurch. Immer wieder habe ich Gedanken wie: „Ist sowieso alles ein großer Irrtum. Ich kann gar nicht schreiben und lesen will das sowieso niemand.“ Dann hilft es mir, Rezis und PNs von Menschen zu lesen, die von meinen Büchern begeistert waren. Das gibt mir die Gewissheit, dass mir zumindest diese Menschen gern in mein Kopfkino folgen und dass sie Spaß dabei haben.

Erzähl doch mal etwas zu deinem Buch/deinen Büchern.
Bei all meinen Büchern interessiert mich vor allem, was in den Köpfen und Herzen meiner Protagonisten vor sich geht, wie sie zu dem geworden sind, was sie sind, und was das „Warum“ ihres Handelns ist. In meinen bisherigen Büchern habe ich mich sehr darum bemüht, möglichst realistische Geschichten zu erzählen.

„Staub von den Sternen“:

https://images-blogger-opensocial.googleusercontent.com/gadgets/proxy?url=http%3A%2F%2Fecx.images-amazon.com%2Fimages%2FI%2F41dcKwMLeyL._SY344_BO1%2C204%2C203%2C200_.jpg&container=blogger&gadget=a&rewriteMime=image%2F*Silvia, Ulrike, Nora und Jenny sind vier grundverschiedene Frauen – mit völlig unterschiedlichen Lebensauffassungen, Wünschen, Erwartungen, Hoffnungen, Träumen. Die Wege dieser Frauen kreuzen sich, als sie es alle mit demselben Mann zu tun bekommen: Robin, der anscheinend jede Frau haben kann, wie es ihm beliebt. Für jede der vier hat das Zusammentreffen mit ihm weitreichende Folgen – doch die sind so unterschiedlich wie die Frauen selbst. Auch Robin stößt an die Grenzen, die das Leben ihm vorgibt: Sein Vater hat ganz eigene Pläne für die Zukunft seines Sohnes. Wird Robin sich fügen, damit er auf der anderen Seite seinen größten Wunsch verwirklichen kann? Rezension



 „Was andere nicht haben“:

https://images-blogger-opensocial.googleusercontent.com/gadgets/proxy?url=http%3A%2F%2Fecx.images-amazon.com%2Fimages%2FI%2F51PMY71s4ML._SY344_BO1%2C204%2C203%2C200_.jpg&container=blogger&gadget=a&rewriteMime=image%2F*
Erzählt die Geschichte aus „Staub von den Sternen“ weiter. Alle haben sich weiterentwickelt, sind „reifer“ geworden. Robin hat die Firma seines Vaters übernommen und kämpft nun mit ganzer Kraft um deren Überleben. Ausgerechnet in dieser Phase muss er feststellen, dass auch er zu Gefühlen in der Lage ist, die sich oberhalb der Gürtellinie abspielen. Die Aussprache mit seinem Vater sowie eine vorsichtige Annäherung an seine Kinder stellen ihn außerdem vor völlig neue Herausforderungen. Rezension

 

 

 


„1001 Angst“:

https://1.bp.blogspot.com/-Xv1fTnxLdOs/VNCrwB7V71I/AAAAAAAAByA/YmvfPkC_fYg/s320/71I%252BISdLPAL.jpg
Lina ist eine junge Krankenschwester, die ein ganz normales Leben führt und gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Jonathan von einer Familie träumt. Joseph dagegen ist als Heimkind aufgewachsen. Er ist es gewohnt, für sich selbst zu sorgen und er geht dabei rücksichtslos und mit äußerster Brutalität vor. Als Lina und Joseph sich zufällig begegnen, nimmt das Schicksal seinen Lauf … Die Geschichte nimmt den Leser mit in den Kopf des Opfers, aber auch in den des Täters. Rezension

 






Außerdem bin ich noch mit bislang zwei Episoden („Ich bin Gott“ und „Eiseskälte“) an der Thrillerserie „Complex West“ beteiligt. Hier der offizielle Text für die Serie:
https://images-blogger-opensocial.googleusercontent.com/gadgets/proxy?url=http%3A%2F%2Fs3-eu-west-1.amazonaws.com%2Fcover.allsize.lovelybooks.de%2FComplex-West--Ich-bin-Gott-9783944935454_xxl.jpg&container=blogger&gadget=a&rewriteMime=image%2F*In Complex West, einem Gebäudekomplex in Fishkill, New York, verknüpfen sich die Schicksale der Bewohner auf merkwürdige Weise. Ohne es zu ahnen, mischen sich die Gefühle und Erlebnisse zu einer Mixtur aus Angst, Hoffnung, Wahnsinn und Hass. Welches Geheimnis birgt das alte Gemäuer? Und was hat der Hausmeister Samuel Gillager mit all dem zu tun? Jede Episode aus »Complex West« erzählt die Geschichte aus der Sicht eines Bewohners oder Besuchers und entführt den Leser immer wieder aufs Neue in die Abgründe der menschlichen Seele.

 




Hast du schon ein neues Buch geplant? Magst du uns schon etwas dazu verraten?
Gern. Derzeit arbeite ich an drei Projekten: Neben einer dritten Complex-West-Episode, die „Seelenlos“ heißen wird, schreibe ich an dem dritten Band zu „Staub von den Sternen“ und „Was andere nicht haben“ (Titel steht noch nicht fest): Robin findet die Liebe seines Lebens, hat es aber nicht gelernt, mit solch tiefen Gefühlen umzugehen. Daher ist er drauf und dran, alles kaputt zu machen. Und auch seine Kinder haben ein Wörtchen mitzureden. Silvia und Nora müssen dagegen mit schweren Verlusten fertig werden und helfen sich gegenseitig darüber hinweg. Aber beide sind davon überzeugt, dass das noch nicht alles gewesen sein kann, was das Leben für sie bereit hält.
Mein drittes Projekt ist eine Liebesgeschichte, die sich über 25 Jahre erstreckt. Es war der allererste Roman, den ich geschrieben, aber bislang noch nicht veröffentlicht habe. Ich überarbeite ihn gerade gründlich. Es ist ein sehr persönlicher Roman, denn es steckt ganz viel Lily darin. Ich werde ihn im Selbstverlag herausbringen, voraussichtlich in drei „Etappen“.
Anfänge gibt es außerdem zu etwas ganz Neuem, nämlich meinem ersten Roman mit Fantasy-Elementen. Darin wird es um eine junge Kriminalkommissarin gehen, die über ungewöhnliche Fähigkeiten verfügt. Stück für Stück kommt sie dahinter, warum sie diese Fähigkeiten hat. Gleichzeitig wird ihr bewusst, dass sie in großer Gefahr schwebt und es scheint niemanden zu geben, der ihr helfen kann. Jedenfalls kann sie niemandem trauen… Leider wird es noch eine ganze Weile dauern, bis aus diesen Anfängen ein Roman geworden ist

Welche Bücher liest du ganz Privat? Welches Buch sollte man auf jeden Fall einmal gelesen haben?
Ich lese querbeet, alles außer Splatter, Horror und – von wenigen Ausnahmen abgesehen – historischen Romanen. Natürlich habe ich auch Lieblingsautoren: Bei Sandra Brown gefällt mir besonders gut, wie sie Thriller-Elemente und heiße Liebesgeschichten miteinander verbindet, an Marian Keyes liebe ich ihren humorvollen Schreibstil. Ihr Buch „Sushi für Anfänger“ ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher, daher spielt es sogar eine Rolle in „Staub von den Sternen“. Derzeit lese ich viel Fantasy und auch da gibt es eine enorme Bandbreite. Die Blackdagger Brotherhood von J.R. Ward habe ich genauso verschlungen, wie die Bücher meiner Autorenkollegin Susanne Esch. Meine Lese-Highlights im vergangenen Jahr waren ihre „Rebellin von Koron“ und Sabine Osmans „Vierter Wunsch“

Hast du das Gefühl, dass dir Rezensionen helfen? Findest du sie sinnvoll?
Auf jeden Fall. Ich kann daraus ersehen, welche meiner Ideen gut ankommen und welche weniger gut. Außerdem ist es für mich wundervoll, wenn ich lese, dass meine Leser(innen) in meine Geschichten „eingestiegen“ sind, dass sie verstanden haben, um was es mir ging. Das rührt mich jedes Mal zu Freudentränen.

Wie stehst du zu Gewinnspielen? Verlost du auch manchmal eins deiner Bücher?

Mache ich gern. Ich freue mich auch da über Interesse an meinen Büchern :)
Wie gehst du mit negativer Kritik um?
Uff – das kommt ganz drauf an. Negative Kritik, die konstruktiv bleibt, nehme ich sehr ernst. Ich schaue mir die betreffenden Textstellen an und überlege – je nach Kritikpunkten – ob ich sie anders, besser, treffender hätte formulieren können, ob ich sie ausführlicher hätte beschreiben oder im Gegenteil kürzer und prägnanter hätte fassen können  Auch wenn ich das bei Büchern, die bereits gedruckt sind, nicht mehr umsetzen kann. Aber ich versuche bei zukünftigen Projekten, das zu berücksichtigen, was kritisiert wurde. Schwierig wird es, wenn das gerade Punkte sind, die anderen Rezensenten besonders gut gefallen haben. Es wird wohl niemals gelingen ein Buch zu schreiben, das jedem gefällt. Leider.
Womit ich nichts anfangen kann, sind Verrisse mit Rundumschlägen. Wenn mir jemand beispielsweise schreibt, ich solle an meinem Satzbau oder an meinem Schreibstil arbeiten, ohne konkrete Beispiele zu nennen, habe ich keinen Ansatzpunkt, auf den ich eingehen kann. Dann nehme ich zur Kenntnis, dass diese Person meine Art zu schreiben nicht mag. Weitere Konsequenzen kann ich daraus nicht ziehen

Hast du Tipps für junge Autoren oder die, die es gerne werden möchten?
Beim Schreiben ist es in den meisten Fällen wie mit anderen Fähigkeiten: Übung macht den Meister. Gerade in der Anfangsphase ist es wichtig, möglichst „neutrale“ Leser zu haben, die auf Fehler und Schwachpunkte hinweisen, damit man lernt, seinen Schreibstil zu verbessern. Schreibwerkstätten und –schulen gibt es ja mehrere.
Am besten schafft man sich schon vor der Veröffentlichung eine Plattform, auf der man ankündigt, dass man ein Buch veröffentlichen möchte und wovon es handelt. Man kann es testlesen und vorab rezensieren lassen – es gibt meines Erachtens keine wirkungsvollere Reklame als die Empfehlungen begeisterter Leser.

Was willst du noch unbedingt an deine Leser los werden?
Ein riesengroßes Dankeschön. Für die vielen tollen Rezensionen meiner Bücher, für die vielen Empfehlungen, für die Kommis und PNs, für die Unterstützung und die vielen Freudentränen, die ihr bei mir bewirkt habt. Ihr seid unglaublich. <3 Solange ich Leser wie euch habe, werde ich weiterschreiben

 

 

 

 

 

 

 











Kommentare:

  1. Hi ;)
    Ein sehr interessantes Interview mit einer sympatischen Autorin. Ich habe noch kein Buch von ihr gelesen, aber das sollte ich wohl mal ändern!

    Liebe Grüße
    Jessi

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    1. Ja sie ist wirklich sehr nett und es lohnt sich :)

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