Sonntag, 19. Juli 2015

[Autoreninterview] J. Mertens

J. Mertens


Stell dich doch einmal bitte kurz vor.
Mein Name ist J. Mertens und ich komme aus dem verschlafenden Altena. Ich zähle derzeit 46 Lenzen , bin verheiratet und ein unverbesserlicher Nostalgiker.

 
Was hat dich dazu bewegt, Bücher zu schreiben?
Das fing schon in der Grundschule an. Mein Kopf war immer dermaßen voll, dass ich irgendwann anfing, mir diese Ideen von der Seele zu schreiben. Da ich schon in meiner Kindheit ein Faible für Grenzwissenschaften und unheimliches Zeug entwickelte, war die Entscheidung zur Bedienung des Horror- und Phantastikgenre praktisch vorhersehbar. Damals waren es noch Kurzgeschichten, die sich im Laufe der Zeit immer mehr entwickelten. In den späten 80ern nahm ich erstmals einen ernsthaften Anlauf und sammelte bis in die 90er diverse Kurzgeschichten, die ich irgendwann zur Anthologie "Psychotische Episoden" zusammenfasste. Allerdings sollte es noch knapp 10 Jahre dauern, bis ich sie endlich veröffentlichte.

Wie entwickeln sich die Ideen zu deinen Büchern? Wodurch wirst du inspiriert?
Das geht durch das praktisch dauernde vorhandene Kopfkino rasend schnell. Eine scheinbar völlig bedeutungslose Beobachtung kann sich bei mir innerhalb von Minuten zu einem ganzen Handlungsablauf entwickeln. Es gibt Leute, die ängstigen sich förmlich vor meinen manchmal recht verschrobenen Ideen, und wenn ich nicht das Schreiben als Ventil hätte, würde ich wahrscheinlich wahnsinnig werden. Diese Gedanken müssen zumindest den Weg in mein Notizbuch finden, ansonsten geben sie keine Ruhe.

Hat sich dein Leben verändert, seit dem du begonnen hast, Bücher zu schreiben?
In jeder Hinsicht. Während es damals noch ein Hobby war, das sich mehr oder weniger selbst genügte, bin ich heute einen Großteil meiner freien Zeit auch mit werbetechnischen Maßnahmen beschäftigt. Hinzu kommen Covererstellung, Formatierung, Satz und alles, was damit zusammenhängt. Bis auf den Druck mache ich von der Pieke auf alles an meinen Büchern selbst, und das verschlingt einige Stunden. Hinzu kommt die Kontaktpflege mit anderen Autoren und Lesern, die Aktualisierung meiner Webseiten und Pressearbeit. Das war bis zur Jahrtausendwende für mich noch unvorstellbar, und hätte mir damals jemand gesagt, dass ich irgendwann mal auch nur ein Buch veröffentlichen würde – ich hätte ihn vermutlich ausgelacht.

Hast du zwischendurch mal Schreibblockaden? Was tust du dagegen?
Als Schreibblockaden im klassischen Sinne würde ich das nicht bezeichnen. Es kommt aber relativ oft vor, dass ich keine Ruhe zum Schreiben finde. Das passiert immer dann, wenn ich weiß, dass ich nur zwei oder drei Stunden Zeit habe. Wenn ich schreibe, brauche ich für meine Tätigkeit ein “Open End”, sonst kann ich mich nicht konzentrieren. Andererseits kann es auch mal vorkommen, dass ich durch all die Gedanken, die in meinem Kopf herumspuken, bei einer ganz anderen Geschichte bin als bei der, die ich gerade verfasse. Tatsächlich ist es mir schon passiert, dass ich bei der ersten Durchsicht feststellen musste, Namen aus völlig anderen Stories verwendet zu haben.

Gab es irgendwann mal einen Zeitpunkt, an dem du am liebsten alles über Bord geworfen hättest? Was hat dich dazu bewegt weiter zu schreiben?
Solche Phasen haben sicher alle Autoren mal. Ich persönlich nehme mich dann selbst nicht allzu ernst. Wie schon gesagt, kann ich das Schreiben nicht einfach so aufhören, ohne dass ein anderes Ventil geöffnet wird. Es ist eine unerschöpfliche Kraft, die mich dabei antreibt. Woher diese kommt, weiß ich nicht, aber es ist manchmal unheimlich.

Erzähl doch mal etwas zu deinem Buch/ deinen Büchern?
Nun, wie gesagt, gehören sie alle dem Horror- und Phantastikgenre an. Innerhalb dieser Sparte gehen die Themen aber weit auseinander. Allein die Kurzgeschichten in “Psychotische Episoden” schwanken zwischen Geistergeschichten, Extremhorror und Surrealismus. Der Leser weiß zu Beginn einer Geschichte nie, auf was er sich genau einlässt. “Geh nicht durch diese Kellertür” ist ein Psychothriller mit einigen heftigen Wendungen. “Genius Vacui” ist schon wieder ein ganz anderes Kaliber – es geht um Nekrophilie; eine Leiche wird nach ihrem Missbrauch plötzlich schwanger. Doch wen oder was wird sie am Ende austragen? Und in “Mondo Criminale” begegnen wir einem mit übersinnlichen Kräften ausgestatteten Autisten, der sich unversehens in einem Geflecht aus kriminellen Aktivitäten wiederfindet. Es ist ein äußerst gewalttätiger Thriller, in dem auch einige “heiße Eisen” behandelt werden, darunter Pädophilie und Terrorismus. “Zerfall” zeigt dagegen meine lyrische Seite, die sich jedoch auch in erster Linie um die Themen Tod und Wahnsinn dreht. Insbesondere dieses Werk ist für labile Personen eher ungeeignet, da es zuweilen recht depressiver Natur ist und stellenweise sehr an die psychische Substanz geht.



Hast du schon ein neues Buch geplant? Möchtest du uns schon was dazu verraten?
Derzeit arbeite ich an einer Fortführung meiner Kurzgeschichtensammlung. Der Band wird “Weitere Psychotische Episoden” heißen und aller Voraussicht nach noch dieses Jahr erscheinen. Auch hier sind die Stories wieder recht abwechslungsreich. Einige Geistergeschichten sind darunter, jedoch auch mindestens ein sehr blutiger Plot. Da ich an die fünfzig Kurzgeschichten in meinem Notizbuch verewigt habe, bin ich mir noch nicht sicher, welche ich für das Buch genau auswähle. Somit kann ich aber jetzt schon versprechen, dass es neben einigen Romanen auch noch weitere Bände mit meinen Kurzgeschichten geben wird.

Welche Bücher liest du ganz Privat? Welches Buch sollte man unbedingt mal gelesen haben?
Auch privat lese ich ausschließlich Werke aus dem Phantastikgenre. Alles andere erreicht mich irgendwie nicht wirklich. Da ich eine nostalgische Ader habe, lese ich gern Klassiker wie Poe, Maupassant oder Stoker. Deren Meisterwerke sind meiner Meinung nach unabdingbar, wenn man als Autor in dieser Sparte Fuß fassen will. Daher muten einige meiner Geschichten, z. B. “Thornhayden”, etwas altmodisch an. Aber ich lese auch Extremhorror oder die derzeit sehr gefragten “Dark Romances”. Bücher, die mir sehr gut gefallen haben, sind “Die Beschleunigung der Angst” von Andreas Acker oder “Schlaf” von Lynn Biederstaedt.

Hast du das Gefühl, dass dir Rezensionen helfen? Findest du sie sinnvoll?
Natürlich, aber sie müssen auch aussagekräftig sein. Konstruktive Kritik ist mir manchmal sogar lieber als dauernde Lobhudelei. Eine Rezension sollte ehrlich und aussagekräftig sein und die Pros und Contras gezielt ansprechen. Nur so kann ein Autor daran wachsen.

Wie stehst du zu Gewinnspielen? Verlost du auch manchmal etwas?
Darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch keine Gedanken gemacht. Ich habe in der Vergangenheit zwar schon Gratisaktionen auf Amazon gestartet, aber Verlosungen noch nicht. Aber vielleicht wäre für die Sammler unter den Phantastikfans eine limitierte und signierte Hardcoverausgabe mal interessant.

Wie gehst du mit negativer Kritik um?
Im Normalfall positiv. Wenn ich aus der Bewertung aber heraushöre, dass der Text lediglich “überflogen” wurde und der tiefere Sinn einer Story nicht verstanden wurde, kann ich eine solche Kritik nicht ernst nehmen. Aber eine ehrliche Lesermeinung, die für mich auch einen Mehrwert für die Zukunft bedeutet, ist Gold wert.

Gibt es für dich ein No-Go im Sinne von Büchern oder Fans?
Was gedacht wird, darf auch geschrieben werden, deswegen bin ich ein entschiedener Gegner von Zensur. Eine Ausnahme stellen vielleicht Texte dar, die offen zu Gewalt aufrufen. Andererseits wäre ich gar nicht so unglücklich darüber, eines meiner Bücher auf dem Index vorzufinden, denn das macht den Autor in seiner Zielgruppe erfahrungsgemäß erst recht interessant. Aber Scherz beiseite: Die Kürzung von Texten stellt für mich eine literarische Vergewaltigung dar, ebenso ein übertriebenes Lektorat. Übrig bleibt ein Fragment des eigenen Textes. Das wäre für mich nichts anderes, als wenn ich eine zerrissene Zeitung lesen würde. Von daher bin ich froh, dass ich meine Bücher selbst verlege.

Hast du Tipps für junge Autoren oder die, die es gerne sein möchten?
Der beste Tipp, den ich geben kann, ist der, nicht zu viel auf Tipps von anderen zu hören. Noch heute beteiligte ich mich an einer Diskussion, in der jemand von sich behauptete, mit einer bestimmten Vorgehensweise erfolgreich geworden zu sein. Bei anderen Autoren ging der Schuss aber nach hinten los. Daher: Sammelt zunächst mal die Möglichkeiten, die rein technisch für euch in Frage kommen und sucht euch dann die aus, die euch am meisten liegen. Was dem einen Erfolg beschert, kann dem anderen durchaus schaden. Wichtig ist erst einmal nur, dass ihr von euch reden macht. Die sozialen Netzwerke sind dafür schon ein gutes Sprungbrett.

Was willst du noch unbedingt an deine Leser los werden?
Ich danke euch für euer bisheriges Interesse, und wenn ich auch nur einem von euch zu einem Schauer auf dem Rücken verhelfen konnte, war mein bisheriges Werk nicht ganz umsonst.





















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