Sonntag, 14. Juni 2015

[Autoreninterview] Marlies Lüer




Stell dich doch einmal kurz vor.

Mein Name ist Marlies Lüer. Unter diesem Namen veröffentliche ich auch, es gibt kein „wohlklingendes Pseudonym“. Allerdings habe ich manches Mal darüber nachgedacht, ob es nicht verkaufsfördernder wäre, die Bücher mit einem schicken, geheimnisvollen Namen zu zieren, vor allem die Fantasy-Romane. Letztlich entschied ich mich aber dagegen. Schließlich steckt in jedem Buch ganz viel „von mir“, und ich stehe dazu mit meinem Namen.

Ich gehöre der Generation 50+ an, bin Norddeutsche, wir leben aber seit 2009 in Baden-Württemberg, und das hochzufrieden mit Blick auf Weinberge und Wald und Berg



Was hat dich dazu bewegt, Bücher zu schreiben?
Der erste Impuls dazu kam von meiner ehemaligen Deutschlehrerin, die ich vor vielen Jahren mal besuchte, als ich eine junge Mutter von zwei kleinen Söhnen war. Unser Jüngster war mehrfachbehindert. Sie ermutigte mich zu meiner Überraschung, ein Buch über ihn und seine, bzw. unsere Geschichte und die zahlreichen Erfahrungen zu schreiben, um anderen Menschen damit zu helfen. So entstand letztlich mein erster Roman „Miras Welt“. Er ist sozusagen „halb-biografisch“ – echtes Leben, umhüllt mit einer fiktiven Romanhandlung.

Wie entwickeln sich deine Ideen zu den Büchern? Wodurch wirst du inspiriert?
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein Buch weitere nach sich zieht. So wurde aus Miras Welt die Lindenhaus-Reihe, die mit Melissas Welt und Mirandas Welt (in 2015 geplant) fortgeführt wird. Und vor 2 Jahren schrieb ich eine kleine Geschichte über ein schottisches Waisenhauskind, das seine totgeglaubten Eltern in einer Anderwelt namens ‚Magiyamusa‘ unverhofft wiederfand. Eine liebe Freundin fragte mich, ob es noch mehr aus dieser Welt zu lesen gäbe … ich lauschte in mich hinein und musste feststellen, dass da noch ein ganzer Roman erzählt werden wollte (Midirs Sohn), der dann ein weiteres Buch erforderlich machte (Erdsängerin) und dieses wiederum braucht noch ein drittes (Schwertgeist – ist aktuell in Arbeit), um die ganze große Anderwelt-Schottland-Saga zu einem echten Ende zu bringen.
Des Weiteren werde ich leicht inspiriert durch schöne Bilder. Ich habe mir eine Fantasy-Foto-Sammlung angelegt, die Szenen erweitere ich zu Geschichten. Ich frage mich: Wie ist es zu der dargestellten Szene gekommen? Wie mag sie weitergehen?

Hat sich dein Leben verändert, seitdem du begonnen hast Bücher zu schreiben?
Ja sehr, auf sehr angenehme Weise. Ich habe mein Talent entdeckt und lebe es voll aus, bekomme viel positive Resonanz. Außerdem teile ich mir jetzt meine Zeit besser ein, damit ich genug Raum zum Schreiben habe. Nicht zuletzt habe ich viele liebe, begeisterungsfähige Menschen kennengelernt.

Hast du zwischendurch auch mal Schreibblockaden? Was machst du dagegen?
Schreibblockaden nicht – aber Alltagsblockaden. In dem Sinne, das Anderes leider wichtiger ist als mein Schreiben. Ich brauche viel Ruhe und Alleinsein zum Schreiben. Ungestörte Stunden am Stück.

Erzähl doch mal etwas zu deinem Buch/deinen Büchern.
neues Cover Midirs SohnDa gäbe es so viel zu erzählen, dass ich doch lieber auf meine Website, meine Autorenseite bei Facebook und die Bücher-Seiten verweisen möchte.





Ich weiß nicht, warum nur der „Midirs Sohn“-Link schön aussieht, die anderen haben alle so einen langen Zahlenschwanz …?

Hast du schon ein neues Buch geplant? Magst du uns schon etwas dazu verraten?
„Ein“ neues ist gut! *lach* Zunächst ist da der dritte Band meiner Drachenschwert-Trilogie. Arbeitstitel: "Schwertgeist" Was mit Fearghas in Magiyamusa begann, endet auch wieder mit ihm. Als Erscheinungszeitpunkt peile ich optimistisch den Frühsommer an.

Ein weiteres Projekt ist die Neuauflage von Miras Welt und Melissas Welt, nun ohne Verlag. Der Text wird jeweils etwas "aufpoliert", kleine Schönheitsfehlerchen werden korrigiert - und es gibt ein neues Cover und einen neuen, günstigeren Preis! Den Zeitpunkt kann ich noch nicht konkret benennen. Ergänzend dazu wird es Mirandas Welt geben, ich schätze, zum Jahresende hin.
Die Reihe um die Frauen des Lindenhauses wird noch gekrönt durch ein passendes Koch- und Backbuch. Alle Bücher wird es wie gewohnt als Taschenbuch und als eBook geben, die in den üblichen Shops erhältlich sein werden
Wenn der Spätherbst kommt und die Adventszeit vor der Tür steht, gibt es den zweiten "Lese-Adventskalender", der von einigen ja schon sehnsüchtig erwartet wird (schaut mal in mein Gästebuch der Kerzenschatztruhe.de, als nur ein Beispiel).
Und dann erwarte ich mit Sehnsucht das Jahr 2016, eher werde ich bestimmt keine Zeit haben für den neuen Fantasyroman, der mir in Kopf und Herz und Bauch herumschwirrt. Der wird so richtig, richtig schön und spannend und überhaupt … mal was ganz anderes, als das, was derzeit so auf dem Büchermarkt ist. Ein Hirsch wird eine wichtige Rolle spielen.
Außerdem will ich eine Märchenreihe schreiben, passend zur Anderwelt Magiyamusa

Welche Bücher liest du ganz Privat? Welches Buch sollte man auf jeden Fall einmal gelesen haben?
Die Frage, welches Buch man auf jeden Fall gelesen haben sollte, kann man nicht pauschal beantworten. Jedes Buch braucht den passenden Menschen und umgekehrt.
Privat lese ich gern z. B. Bücher von Amy Tan (aber die alten, die neuen sind nicht mehr so gut) und sehr gerne Fantasy.  Aber bitte ohne großes Blutvergießen und ohne Vampire! In meinen Regalen steht viel Fantasy. Ich mag auch Geschichten, die zeitlich im Mittelalter angesiedelt sind. Ein Beispiel: Der Fluch der Gaukler. Da könnte ich jetzt noch lange schreiben, was ich alles gerne lese, da käme ich vom Stöckchen aufs Hölzchen und letztlich würde es ein dichter Wald.

Hast du das Gefühl, dass dir Rezensionen helfen? Findest du sie sinnvoll?
Absolut! Es gibt zwar nur wenige Leute, die wirklich fachkundige, echte Rezensionen schreiben – aber lieber sind mir die Leser, die einfach erzählen wie sie sich beim Lesen gefühlt haben, was ihnen besonders gut gefiel und ob sie das Buch weiterempfehlen
würden. Persönliche Empfehlungen sind viel wichtiger als Verlags-Werbe-Texte. Der Büchermarkt ist völlig überschwemmt. Ohne Fan-Gemeinde ist ein Buch dem Untergang geweiht, da kann es noch so gut sein. Wenn es niemand kennt, bzw. von seiner Existenz weiß, kann es auch keiner kaufen und genießen. Was für ein Jammer! Bücher erwachen erst durch die Leser wirklich zum „Leben“.

Wie stehst du zu Gewinnspielen? Verlost du auch manchmal eins deiner Bücher?
Habe ich schon mehrfach gemacht. Aber immer nur eBooks. Obwohl so die Gefahr besteht, dass sie auch in „nicht autorisierte Hände fallen“. Was die Prints angeht: Als Selfpublisher muss man ja die Bücher selber bezahlen (z.B. Cover!) und man verdient an einem Taschenbuch im Allgemeinen nicht mehr als 1 €, wenn überhaupt. Da müsste man dann weitere 10-15 Bücher verkaufen, um ein verlostes Taschenbuch wieder wett zu machen. Verpackung und Versand kommt auch hinzu. Schließlich muss ein Autor auch wirtschaftlich denken. Es gibt nur wenige Autoren, die mit dem Schreiben viel Geld verdienen, für die meisten ist es wirklich nur ein Taschengeld. Naja, und deswegen verlose ich nur eBooks


Wie gehst du mit negativer Kritik um?
Ehrlich gesagt hatte ich noch keine echte negative Kritik. Es gibt bei „Miras Welt“ eine 1*-Rezension, aber die ist nicht echt, die soll nur schaden. Es gibt tatsächlich „Kollegen“, die ihre eigenen Fans losschicken, um solche abstrusen Rezis zu verfassen.
Kritik ist sehr wichtig! Aber konstruktiv muss sie sein. Ein „ich konnte damit nichts anfangen, weil es nicht meinem Geschmack entsprach“ ist wenig hilfreich. Oder auch Vergleiche wie „Marlies Lüer ist keine J.K. Rowling oder Trudi Canavan“ (Originalzitat!). Darüber musste ich richtig lachen! Natürlich bin ich nicht wie diese beiden Erfolgsschriftstellerinnen – ich bin und bleibe ich selbst und habe meinen eigenen, unverwechselbaren Stil.


Gibt es für dich ein No-Go im Sinne von Büchern oder auch deinen Fans?
Siehe vorherige Frage! Und was gar nicht geht, ist das Weiterschicken von gewonnenen eBook-Dateien an Freunde und Bekannte, die dann wiederum die Dateien weiterreichen usw. Piratenseiten gibt es inzwischen ja auch, die geben die gestohlenen eBooks nicht einfach nur weiter, sondern lassen sich das bezahlen! Sie bereichern sich an der Arbeit anderer. Das mag in dieser Welt nichts Ungewöhnliches sein, aber es ist und bleibt eine Sauerei und eine Straftat.
Einen guten Roman zu schreiben, braucht viel Zeit, viel Arbeit, viel Hingabe. Niemand möchte, dass die Früchte seiner Arbeit missbraucht werden.


Hast du Tipps für junge Autoren oder die, die es gerne werden möchten?
Habt Geduld! Arbeitet hart. Habt Freude am Schreiben. Lernt die Grundlagen! Seid kollegial, sucht euch ein Netzwerk. Ganz allein schafft man es nicht. Es gibt viele Fallstricke auf dem Weg zum erfolgreichen Autor. Vor allem aber: seid geduldig und authentisch.


Was willst du noch unbedingt an deine Leser los werden?
Lest euren kleinen Kindern vor! Schenkt ihnen Bücher, bringt ihnen das Lesen bei, regt ihre Fantasie an und achtet auf eine gute Sprache. Lesen und Schreiben ist ein wichtiges Kulturgut, das nicht verlorengehen darf. Lehrt eure Kinder, zwischen guten und schlechten Büchern zu unterscheiden. Übt mit ihnen das sinnerfassende Lesen
Es ist wie mit der Nahrung – man steht immer wieder vor der Entscheidung: Was will ich in mich hineinlassen? Wovon will ich mich nähren?


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