Sonntag, 21. Juni 2015

[Autoreninterview] Brigitte Pons


Foto © Patrick Liste
Stell dich doch einmal kurz vor.
Mein Name ist Brigitte Pons und ich schreibe Bücher. Das klingt so ein bisschen, wie der Einstieg bei einer Selbsthilfegruppe … Ist das ein Zufall? Wer weiß. Bisher wurden von mir vier* Romane veröffentlicht – zwei weitere sind in Vorbereitung – alle im Krimigenre. Ich kann auch anders, aber das „Andere“ ist bisher noch nicht zwischen Buchdeckeln gelandet. Wenn es nach mir geht, darf sich das in Zukunft aber gerne noch ändern. Ich lebe und arbeite in einer Kleinstadt unweit des Frankfurter Flughafens, sozusagen direkt hinterm Zaun. Auch meine Geschichten sind in der Regel in der Rhein-Main-Region verortet, was rein praktische Gründe bei der Recherche hat. Inhaltlich sind es weder Heimatgeschichten noch Reiseführer durch Hessen. Ganz im Gegenteil. Die Themen sind, obwohl es sich im Krimi natürlich immer um Gewalt, Verbrechen und Mord dreht, sehr vielfältig und haben gerne auch mal einen psychologischen oder philosophischen Hintergrund; sollte es mal schwerer verdaulich sein würze ich gern trotzdem mit einer Prise Ironie und Humor.


Was hat dich dazu bewegt, Bücher zu schreiben?
So abgedroschen wie es klingt: ich wollte das schon immer. Als Kind habe ich Bücher verschlungen und geträumt, so gut zu werden wie Enid Blyton – und auch so berühmt. Okay,  letzteres habe ich inzwischen verworfen. Das gelingt nun wirklich nur ganz wenigen Menschen. Doch Bücher schreiben, die andere lesen und lieben, das will ich heute immer noch und zum Glück, habe ich beides schon mehr als ein Mal geschafft.

Wie entwickeln sich deine Ideen zu den Büchern? Wodurch wirst du inspiriert?
Inspiration kann in allem liegen. Manchmal kann ein Bild, ein Wort genügen, um den Ideenfluss in Gang zu setzen. Was genau den ersten Impuls zu einer Geschichte gegeben hat, kann ich oft gar nicht sagen Wir begegnen jeden Tag so vielen Menschen und Ereignissen, die wir in uns aufnehmen und die sich dann vermischen und neu zusammen sortieren. Eine Art Ursuppe – und dann kommt der kreative Geist und entfesselt die Evolution

Hat sich dein Leben verändert, seitdem du begonnen hast Bücher zu schreiben?
Ja, hat es. Ich fühle mich befreit, und bin mutiger geworden, selbstbewusster. Außerdem hat sich meine Wahrnehmung geschärft. Viele Dinge hinterlassen sofort das Gefühl: daraus könnte man eine Geschichte machen. Aber manchmal auch: in einem Buch würde keiner glauben, was da gerade passiert.

Hast du zwischendurch auch mal Schreibblockaden? Was machst du dagegen?
Es gibt Tage, an denen einfach gar nichts geht. Die einfachste Methode dagegen ist Hausarbeit, da fällt mir meist ganz schnell wieder etwas ein, was ich schreiben könnte, um damit wieder aufhören zu dürfen
J Ich bin nicht gerade eine begeisterte und begnadete Hausfrau. Bei längerfristigen richtigen Blockaden – die zum Glück bei mir selten sind – lag es meistens am Plot, den ich in Arbeit hatte. Die Blockade ist dann ein Hinweis, dass etwas Grundlegendes an der Geschichte, oder meiner Einstellung dazu, nicht stimmt. Die beste Technik in diesem Fall: eine Weile liegen lassen und später im Detail auf den Prüfstand stellen.

Gab es irgendwann mal einen Zeitpunkt, an dem du am liebsten alles über Bord geworfen hättest? Was hat dich dazu bewegt weiter zu schreiben?
Mit dem ersten Manuskript bin ich sehr blauäugig „hausieren“ gegangen und habe entsprechend Absage um Absage von den Verlagen kassiert. Ich hatte keinen Schimmer vom Verlagsgeschäft oder den einfachsten Grundregeln der Branche. Das war klassisches „lerning by doing“. Währenddessen habe ich aber weitergeschrieben. Ich bin zwar nicht geduldig (das würde mir wahrlich niemand nachsagen), aber stur und hartnäckig – gelegentlich unbelehrbar. Schlimm ist für mich die Phase direkt nach Abschluss eines Projektes. Wenn das Manuskript fertig ist und die Warterei beginnt. Dann kommen die Zweifel: Ist das gut genug? Bin ich gut genug? Doch wenn ich heute in mein Regal schaue und sehe mir die fertigen Bücher an und denke mir: ja, hier steht der Beweis. Das macht es deutlich leichter, die Grübelei im Zaum zu halten.

Erzähl doch mal etwas zu deinem Buch/deinen Büchern.
Die Romane „Ich bin ein Mörder“ und „Die Würde der Toten“ sind völlig eigenständige Krimis. In meinem Debüt werden zwei Streifenpolizisten in das undurchsichtige  Spiel eines arroganten aber sehr charismatischen Krimiautors verstrickt. Der kokettiert mit dem Verdacht, er könne selbst ein Mörder sein. Polizistin Alexandra lässt sich von seinem Charme zunächst einwickeln, aber ihr Instinkt warnt sie. Und sie ist nicht die einzige, die der Frage nachgeht, ob tatsächlich ein Mörder ist oder nicht.
Im zweiten Roman muss sich die Bestatterin Henry mit Leichen befassen, deren Herkunft ihr suspekt vorkommen, mit einem Chef, der plötzlich blind und taub für ihre Argumente erscheint und nicht zuletzt mit einem Polizisten, der nicht fähig ist zu trauern, aber ihre Gefühle nachhaltig durcheinander wirbelt.
„Celeste bedeutet Himmelblau“ habe ich 2014 erstmals eine Serie an den Start gebracht, deren zweiter Teil um den jungen Polizisten Frank Liebknecht „Der blauen Sehnsucht Tod“ ganz aktuell im März 2015 veröffentlicht wird. Ein Dorf, ein einsamer Hof, eine Leiche. Zunächst als Unfall eingestuft, entwickelt sich der Fall – für den Frank nicht zuständig ist, aber von dem er die Finger nicht lassen kann – zu einer Reise in die Vergangenheit, zu den Abgründen einer Sekte und in gefährliche politische Dimensionen.
In seinem zweiten Fall bekommt es Frank mit einem gestohlenen Gemälde zu tun, natürlich mit einer Leiche und mit Verwicklungen, die bis in die Zeit der beiden Weltkriege zurück reichen.

Hast du schon ein neues Buch geplant? Magst du uns schon etwas dazu verraten?
An Teil drei der Frank-Liebknecht Reihe arbeite ich gerade und noch im August diesen Jahres wird ein weiteres Ermittlerteam mit „Eine saubere Angelegenheit“ ins Rennen geschickt. Im neuen Team geht es etwas lockerer zu, hier ist der Humor ausgeprägter als in den anderen Büchern. Torge Hansen ist ein Koffein-Junkie, ein Macho – und auf Schlafentzug. Der tote Bodyguard war ein Frauenheld, in den Frankfurter Nachtclubs zu Hause und die Hauptverdächtige Dorothee sorgt auch nicht dafür, dass sich seine Lage entspannt

Welche Bücher liest du ganz Privat? Welches Buch sollte man auf jeden Fall einmal gelesen haben?
Ich lese nach wie vor gerne Krimis, aber auch mal einen Liebesroman. Besonders schätze ich die Bücher eines befreundeten Autoren – Florian Tietgen – die sich nur schwer in ein Genre einordnen lassen. Er schreibt Geschichten aus dem Leben.

Mit Empfehlungen was andere unbedingt lesen sollten, tue ich mich ein bisschen schwer. Allerdings plädiere ich schon dafür, zumindest ab und zu, auch mal etwas schwerere Kost zu wählen. Eins der Bücher, die mich nachhaltig geprägt haben ist „Die Waffen nieder“ von Berta von Suttner.

Hast du das Gefühl, dass dir Rezensionen helfen? Findest du sie sinnvoll?
Jaein. Konstruktive Kritik bringt mich weiter. Lob streichelt die Seele. Allerdings sollte man Rezensionen auch nicht zu viel Bedeutung beimessen, denn dann läuft man Gefahr sich in eine Art Abhängigkeit zu begeben, in der das Lebensglück und Selbstwertgefühl mit den Bewertungen steht und fällt.

 

Wie stehst du zu Gewinnspielen? Verlost du auch manchmal eins deiner Bücher?
Ja, das mache ich auch ab und zu. Netterweise kümmert sich mein Verlag um Leserunden (z.B. bei Lovelybooks), dann muss ich das nicht selbst organisieren.

Wie gehst du mit negativer Kritik um?
Ich nehme Kritik immer ernst und überlege was davon sich nachvollziehen lässt, was einfach persönlicher Geschmack ist (man kann es ja nicht jedem recht machen), und was ich für künftige Projekte als Anregung mitnehmen kann. Dabei versuche ich unsachliche oder beleidigende Kommentare auszublenden, was natürlich nicht wirklich gelingt.

Gibt es für dich ein No-Go im Sinne von Büchern oder auch deinen Fans?
Illegale Downloads – beleidigende Rezensionen … Ich bitte alle zu bedenken: Wir Autoren sind ganz normale Menschen – keine Maschinen; wir geben unser Bestes und wir versuchen, von dem was wir tun zu leben (was nichts mit Geldgier zu tun hat) – daher plädiere ich für den Schutz des Urheberrechts und für Respekt im Umgang mit unserer speziellen Spezies. So wie alle einander Menschen einander im Leben mit Respekt begegnen sollten.

Ach ja, ganz profan für mich: In ein Buch das ich liebe, darf niemand Eselohren knicken!

Hast du Tipps für junge Autoren oder die, die es gerne werden möchten?
Niemals aufgeben. Schreiben, bis die Finger glühen. Nicht entmutigen  lassen, aber auch nicht in Euphorie ausbrechen, wenn die beste Freundin von dem was man tut begeistert ist. Schreibforen oder Gruppen können helfen, die eigene Leistung besser zu beurteilen. Erfolg kommt nur in Ausnahmefällen über Nacht. Gute Ideen und Talent sind hilfreich, aber sie genügen nicht. Ach ja, ganz wichtig: Finger weg von Bezahlverlagen.

Was willst du noch unbedingt an deine Leser los werden?
I love to entertain you :)
Bleibt neugierig und kritisch und besucht mich gern auf meiner Homepage oder bei facebook – oder natürlich auch bei einer meiner Lesungen!
www.brigittepons.de
https://www.facebook.com/BrigittePons.Autorenseite



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen