Sonntag, 3. Mai 2015

[Autoreninterview] Máire Brüning



Stell dich doch einmal kurz vor 
Hmm, ja, womit fange ich an? Hier erst mal die trockenen Fakten:  

Máire Brüning, geboren 1966 wuchs in einer Region auf, die reich an Zeugnissen staufischer Baukunst ist. Dadurch begeisterte sie sich schon als Kind für alte Ruinen, Sagen und Ritterrüstungen; ihre Leidenschaft für Geschichte und das Mittelalter führte sie schließlich zum historischen Roman. Jede freie Minute verbringt sie schreibend vor dem Computer, die unverzichtbare Tasse Kaffee immer griffbereit.

Nach einigen Wanderjahren als Floristin quer durch Deutschland lebt uns arbeitet Máire Brüning in der Nähe von Frankfurt.

Eine gelungene Verbindung zwischen Beruf und Leidenschaft gipfelte 2003 im Gewinn des Cadeaux- Wettbewerbs.

Máire Brüning ist ein Pseudonym, denn es ist noch gar nicht so lange her, dass man als Liebesromanautorin ganz schnell mit scheelen Blicken und dämlichen Kommentaren konfrontiert wurde. Ich habe mich daher von Anfang an für eine strickte Trennung zwischen Privatleben und meinem Dasein als Schreiberling entschieden. Es gibt tatsächlich auch heute noch Personen, die nicht wissen, was ich an meinen Abenden so treibe.
Tja, eigentlich gibt es über mich nicht wirklich viel zu erzählen. Wenn interessiert denn schon, dass ich die See lieber mag als die Berge, für den Duft einer Rose so ziemlich alles stehen und liegen lassen würde und mich noch immer gerne in alten Gemäuern herumtreibe, um den Steinen zuzuhören, die so unendlich viele Geschichten zu erzählen haben? Vermutlich niemand. Wer doch etwas wissen möchte, der muss mich einfach fragen.



Was hat dich dazu bewegt, Bücher zu schreiben?
Schwierige Frage.
Ich behaupte ja immer, dass meine Deutschlehrerin der achten Klasse an allem schuld ist. J Wir sollten als Hausaufgabe eine Science-Fiction Story schreiben. Ok hab ich gemacht, so eine richtig fiese Rachestory mit einem gedankengesteuerten Hund als Mordwaffe. Am nächsten Tag im Unterricht wurden die Geschichten vorgelesen. Nach jeder Story gab es Applaus und es wurde rege über das Gehörte diskutiert. Dann kam ich dran.  Ich las meine Geschichte vor, und als ich fertig war – Totenstille in der Klasse. Niemand applaudierte, niemand sagte etwas. Sie guckten alle nur stumm, auch meine Lehrerin. Und ich dachte: Himmel, warum gibt es in Klassenräumen keine eingebauten Löcher, in denen man mal eben versinken kann?  Der Horror! Und dann sagte meine Lehrerin plötzlich. Wow! Das ist ja druckreif! Ahhhhhhh!


Nun, ganz im Ernst: Geschichten haben mich schon immer fasziniert. Seit ich denken kann, verschlinge ich Bücher und erfinde Geschichten, die im Laufe der Jahre immer komplexer wurden. Dazu kam meine Begeisterung für die Zeit der Staufer, ihre Bauwerke, die Märchen und Sagen meiner unmittelbaren Heimat. Das alles ließ sich wunderbar miteinander verknüpfen. So begann ich in meinem Lieblingsgenre historischer Roman – oder genauer historischer Liebesroman Geschichten zu schreiben. Vermutlich ließe sich aktuell mit einem anderen Genre mehr Akzeptanz bei den Leserinnen und Lesern erreichen. Aber um z.B. Fantasy zu schreiben, fehlt mir einfach das ausschlaggebende Quäntchen Begeisterung, um ein gutes Buch zu schaffen.

Also schreibe ich das, was mir Spaß macht und freue mich über jeden Leser, dem ich damit ein paar schöne Momente verschaffen kann.


Wie entwickeln sich deine Ideen zu den Büchern? Wodurch wirst du inspiriert? 
Der Anfang zu einer Buchidee ist bei mir immer ein Name. Diesen Namen trage ich eine Weile mit mir herum, lasse in meinem Unterbewusstsein auf kleiner Flamme köcheln, bis sich langsam eine Person herauskristallisiert, mit Wünschen und Vorliebe, Ängsten und Zukunftsplänen.  Sobald ich diese Figur dann recht gut kenne, setze ich sie in Gedanken einer Situation aus, in der sie z. B. mit ihrer größten Angst konfrontiert wird. Ich stelle mir die Frage: Was wäre wenn? Habe ich alles richtig gemacht, setzt an dieser Stelle eine Kettenreaktion ein - eine Geschichte entwickelt sich. Inspiration finde ich überall im Alltag. Das kann ein Song sein, ein Buch, eine Bemerkung, die ich irgendwo aufgeschnappt habe, ein Gespräch mit Freunden usw.



Hat sich dein Leben verändert, seitdem du begonnen hast Bücher zu schreiben?
Ja, definitiv.  Ich habe einen tollen Vollzeitjob, mit dem ich meine Brötchen verdiene, der aber auch eine Menge Aufmerksamkeit außerhalb der regulären Arbeitszeit fordert. Ich musste mir also für das Schreiben ein regelmäßiges Zeitfenster schaffen. Dadurch sind einige Hobbys, mit denen ich mich früher beschäftigt habe, auf der Strecke geblieben. Inzwischen stelle ich aber immer wieder fest, dass sie mir nicht fehlen. Durch das Schreiben habe ich auch tolle Leute kennengelernt, die ich vermutlich sonst nie getroffen hätte.

Hast du zwischendurch auch mal Schreibblockaden? Was machst du dagegen?
Als ich anfing zu schreiben, hatte ich von dem Wort Schreibblockade noch nie gehört. In fröhlicher Unwissenheit habe ich diesen Schrecken der schreibenden Zunft ignoriert – und so halte ich es heute noch. Ich bin Floristin von Beruf und da lernt man sozusagen, kreative Ideen am laufenden Band zu entwickeln. Man stelle sich nur mal das Unverständnis vor, wenn ich einem Kunden sagen würde, leider kann ich heute keinen Strauß binden, ich habe eine Floristenblockade! Klingt lächerlich? Stimmt.
Was jetzt nicht heißen soll, dass ich nicht auch mit Tagen zu kämpfen hätte, an denen beim Schreiben einfach nichts richtig läuft. Meistens liegt es daran, dass irgendein Detail meiner Story nicht stimmt. Unterschwellig nehme ich das Problem wohl war, kann aber oft nicht den Finger auf den wunden Punkt legen. Zum Glück habe ich eine tolle Betaleserin, die ein gutes Gespür für meine Figuren hat. Wir liefern uns dann oft heiße Diskussionsduelle, bei denen die Fetzen fliegen ;-)  Das hat bisher immer geholfen, wieder einen klaren Blick für die Story zu bekommen. Und so ganz nebenbei trainiert es die Fähigkeit, Kritik einzustecken. lach

Gab es irgendwann mal einen Zeitpunkt, an dem du am liebsten alles über Bord geworfen hättest? Was hat dich dazu bewegt weiter zu schreiben?
Nein, gab es nie. Nachdem ich mir sicher war, dass ich schreiben will, habe ich das Ganze betrachtet wie einen Job, den man mit der nötigen Energie und Disziplin angehen muss. Ich habe mir überlegt, was ich bereit bin, für das Schreiben zu opfern (u.a. meine Fernsehabende) habe mir sozusagen eine Probezeit gegönnt, um zu sehen, ob ich den langen Atem habe für einen Roman. Danach war ich mir sicher, dass der „Job“ zu mir passt und ich ihn auf längere Zeit ausüben will. Sicher, es gab Rückschläge. Ich habe mir zu Anfang oft Rat von Profis geholt und die Kritiken zu meinen Geschichten waren – na sagen wir mal- ziemlich niederschmetternd. Was in mir aber eher eine Jetzt- erst -recht – Haltung ausgelöst hat. Eine meiner Lieblingsautorinnen antwortete auf die Frage, wie man am besten mit solchen Rückschlägen umgeht: Sit your butt and write!   Neben: Nulla dies sine Linea ( Kein Tag ohne Zeile) sind das meine beiden Leitsprüche geworden.

Erzähl doch mal etwas zu deinem Buch/deinen Büchern.
Der persönliche Liebling unter meinen Büchern ist und bleibt mein historischer Liebesroman „Roana“
Die Protagonistin Roana war ursprünglich nur als Nebenfigur in einer anderen Geschichte geplant. Sie sollte auftreten, ihren Zweck erfüllen und wieder verschwinden. Was sie aber nicht tat. Vielmehr baute sie sich mit vor der Brust verschränkten Armen vor mir auf, sah mich mit ihren eisblauen Basiliskenaugen so starr und unergründlich an, dass ich mich zu fragen begann, aus welchen Untiefen meines Unterbewusstseins sie wohl entstanden sein konnte. Wollen wir doch mal sehen, wer hier den längeren Atem hat, schien sie mir spöttisch zuzurufen. Es wurde ein mehrere Jahre dauerndes Ringen zwischen ihr und mir und was soll ich sagen? Sie hat gewonnen. Sie bekam ihr eigenes Buch.
Roana war nie ein sonderlich pflegeleichter Charakter. Sie tat selten das, was man von ihr erwartete. Damals wie heute trägt sie immer drei – vier am Körper versteckte Dolche, die sie auch zu benutzen weiß. Sie war weder bequem, noch angepasst, immer bereit sich ihrer Haut zu
wehren, noch bevor sie überhaupt angegriffen wurde und mit einer selbstzerstörerischen Ader ausgestattet, die den Umgang mit ihr ausgesprochen schwierig machte. Sie war aber auch fürchterlich einsam.

Das sagt Roana über sich selbst:
1. Männer? Ich bin frei von Vorurteilen. Ich hasse sie alle gleichermaßen.
2. 1 Schwester ist akzeptabel, 3 sind lästig
3. Hast du beim ersten Versuch keinen Erfolg zerstöre alle Beweise, dass du es versucht hast
4.Familie – das sind diejenigen, die dich von vorne niederstechen
5. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg
6. Pessimum genus inimicorum laudantes.
Die schlimmste Art von Feinden sind die Lobredner.
Was sollte ich nun mit einem solchen Charakter anfangen, der gleichermaßen faszinierend, wie schwierig war?
Nun, als Erstes musste ein passender Gegenspieler gefunden werden. Auch hier erwies sich ein Nebencharakter als hartnäckig. Rafael, ein richtiger  Bad Boy ( habe ich schon mal erwähnt, dass ich Bad Boys liebe? J )  Im wilden Westen wäre er Kopfgeldjäger gewesen , in der heutigen Zeit hätte er vermutlich als Auftragskiller Karriere machen können.

Das sagt Rafael über sich selbst.
1.Ein Mann - ein Wort
2. Komme mir nur in die Quere, wenn du dich nach dem Tod sehnst,
3. Ich kann jeden umbringen, überall, jederzeit. Ich bin der Beste, bei dem was ich tue.
4. Ich leide nicht unter Einsamkeit, ich genieße jede Minute davon
5. Ich mag keine Schwerter - aber ich brauche auch
eins, um dich im Kampf zu besiegen
6. Pferde betrügen dich nicht
7. Was du nicht besitzt, kannst du auch nicht verlieren
8. Die größte Dummheit meines Lebens? Peire freikaufen
9. Ob ich es wieder tun würde? Jederzeit
10. Schicksal ist keine Sache des Zufalls. Es ist eine Frage der Wahl
Das Schwierige war nun, seine schlechten und guten Eigenschaften genau auszubalancieren, denn es gab so einiges, was die Leserinnen ihm verzeihen sollten.
Ich ließ Roana und Rafael also aufeinander los, gab ihnen eine Aufgabe, bei deren Lösung sie gezwungen waren, eng zusammenzuarbeiten und wartete ab, was passieren würde. Laut meiner Leserinnen ist eine Geschichte herausgekommen, die immer wieder durch unerwartete Wendungen zu überraschen vermag, ein Held zum Verlieben, und eine Protagonistin, die man ob ihrer Haltung des Öfteren kräftig schütteln möchte und die man doch nur zu gut verstehen kann.

Hast du schon ein neues Buch geplant? Magst du uns schon etwas dazu verraten?
Ja, ich arbeite zurzeit intensiv an einem Roman, der an meine bisherigen Bücher anschließt, der aber durchaus auch für sich gelesen werden kann. Er trägt den Arbeitstitel „Wie ein Siegel auf dein Herz“ und wird voraussichtlich Anfang September erscheinen. Wer sich für das Buch interessiert, findet auf meiner facebook Seite  https://www.facebook.com/Maire.Bruening immer wieder Wasserstandsmeldungen zum Buch und kleine Lesehäppchen.

Welche Bücher liest du ganz privat?
Ähh… wie lange darf das Interview denn werden?
Ich lese sehr viele Kriminalromane verschiedener Autoren, wie Patricia Cornwell,  Karen Rose, Karin Slaughter, Andres Camilleri, Donna Leon usw. Ich habe einige schon ziemlich zerfledderte Ausgaben der Werke von Frank Yerby, die ich immer wieder hervorhole.  Aber auch die Werke von Karl May, Rebecca Gablé oder Karen Marie Moning finden sich in meinen Bücherregalen. Also recht bunt gemischt das Ganze.

Welches Buch sollte man auf jeden Fall einmal gelesen haben?  
Mein absolutes Lieblingsbuch ist „Die Kinder der Finsternis“ von Wolfram von Niebelschütz, definitiv ein Werk, an dem sich die Geister scheiden. Wer sprachlich lieber Fast Food konsumiert, dem wird dieses Buch keinen Spaß machen. Niebelschütz zieht hier alle Register der deutschen Sprache und fügt Worte zu Sätzen, die heranrollen wie mächtige Wogen und den Leser davontragen in eine fantastische Geschichte, voller erfundener Charaktere, die doch lebendiger und realer wirken, als das echte Leben. Wen´s bei diesem Buch nicht vom ersten Satz an packt, der sollte es lieber wieder zuklappen.  Er würde sich vermutlich nur durch die Lektüre quälen.

Hast du das Gefühl, das dir Rezensionen helfen? Findest du sie sinnvoll?
Ja, ernst gemeinte Rezensionen finde ich sehr hilfreich, um festzustellen, ob ein Buch so bei den Leserinnen ankommt, wie ich mir das vorgestellt habe. Eine Rezi kann zusätzlich auch einmal ganz andere Einblicke in das eigene Werk liefern, Dinge aufzeigen,  die man selbst gar nicht  bewusst geplant hatte.  Gute Rezis schmeicheln auch dem eigenen Ego ganz ungemein – und mal ehrlich, wer lässt sich nicht gerne loben für seine Arbeit? Lob motiviert und spornt an, wie kaum etwas anderes.
Wobei der ausufernde Rezi- Unfug auf diversen Plattformen das Bild schon sehr stark verfälscht. Man muss als Schreibender also auch sehr schnell lernen, zu unterscheiden, zwischen nützlicher Kritik und Dingen, die man besser ignorieren sollte.

Wie stehst du zu Gewinnspielen? Verlost du auch manchmal eins deiner Bücher?
Ja, gelegentlich mache ich auch Gewinnspiele. Ich versuche so etwas aber eher sparsam einzusetzen, weil ich finde, dass es sonst zu selbstverständlich wird und kaum noch eine Wirkung entfaltet.

Wie gehst du mit negativer Kritik um?
Inzwischen recht gelassen dank meiner Betaleserin. Wir haben uns noch nie persönlich getroffen (und wollen das auch nicht), sondern chatten nur miteinander. Deshalb konnten wir uns immer recht unverblümt Kritik an den Kopf werfen. Am Anfang haben wir deshalb auch öfter mächtig geschmollt miteinander, bis wir gelernt hatten, mit der Sache umzugehen. Kritik nehmen wir inzwischen erst einmal kommentarlos hin, toben, schmollen oder was auch immer, im stillen Kämmerlein und erst danach wird die Diskussion möglichst sachlich wieder aufgenommen. Es war ein Lernprozess, der ein bisschen gedauert hat, aber inzwischen funktioniert das wirklich gut.

Gibt es für dich ein No-Go im Sinne von Büchern oder auch deinen Fans?  
Ein  absolutes  NO – Go ist für mich diese Haltung Mir-das-Meiste-und-möglichst-umsonst. Zum Glück wurde ich damit bisher nur in meinem Brotjob konfrontiert. Mit den Roana Lesern habe ich da echt Glück.

Hast du Tipps für junge Autoren oder die, die es gerne werden möchten?
Ja, schreiben! Wie so viele Dinge lernt man schreiben, am besten durch beständige Übung!  
Und bitte nicht glauben, dass gleich der erste fertiggestellte Roman ein Bestseller werden muss! So etwas passiert – klar. Aber es ist eher die Ausnahme und es gehört nicht nur eine gute, handwerklich sauber gemachte Story dazu, sondern auch das Glück, im richtigen Moment an der richtigen Stelle zu sein, mit einer Geschichte, die dem Zeitgeist entspricht. Manche gute Geschichte geht unter, weil es einfach nicht der richtige Zeitpunkt ist. Davon darf man sich nicht entmutigen lassen. Sit your butt and write!

Was willst du noch unbedingt an deine Leser loswerden?
Zuallererst ein dickes Dankeschön für die tollen Rückmeldungen, die ich zu meinem historischen Liebesroman Roana erhalten habe. Ich freue mich riesig, für einen hungrigen Ehemann, ein vergessenes Abendessen und Tränen im Linienbus verantwortlich zu sein. Es ist ein sagenhaft gutes Gefühl, zu erfahren, dass mein Buch es geschafft hat, Emotionen zu wecken und die Leserinnen, die Zeit vergessen zu lassen. Was kann man sich als Autorin mehr wünschen?
( Ach ja, Rezensionen zu meinen Büchern, sind natürlich immer willkommen)
Zum Schluss auch noch einmal herzlichen Dank an Annas kleine Bücherwelt  für diese Interview.










 












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