Mittwoch, 11. Februar 2015

[Rezension] Was fehlt, wenn ich verschwunden bin von Lilly Lindner

Autor: Lilly Lindner
Verlag:
Fischer Verlage
Seitanzahl: 400
Erscheinungsdatum: 19. Februar 2015
Genre: Roman

>>Und wenn dann ein Frühling kommt, mit einem neuen April, dann werde ich deinen Namen flüstern. An jedem Tag. <<

Liebe April,
du bist jetzt schon fast eine Woche weg, und ohne dich ist es schrecklich langweilig hier. Mama weint ständig, und Papa arbeitet jetzt immer ganz lange, und wenn er nach Hause kommt, dann guckt er traurig.
Aufbau und Schreibstil
Das Buch ist nicht klassisch in Kapitel unterteilt, sondern in zwei große Teile. Im ersten Teil schreibt die kleine Phoebe ihrer Schwester April Briefe, ohne darauf eine Rückmeldung zu bekommen. Im zweiten Teil schreibt dann April Phoebe.

Spannung
Der Leser weiß nie was mit der anderen Person ist, da wir immer nur von einer Person Eindrücke bekommen, da das ganze als Briefroman aufgebaut ist.

Charaktere
Phoebe
Mit gerade mal 9 Jahren finde ich, dass Phoebe schon sehr reif auf mich wirkt. Sie versucht ihre Trauer und ihren Schmerz über Aprils Fortgehen durch Briefe zu verarbeiten und gleichzeitig auch das, was bei ihr in der Familie schief geht. Phoebe fühlt sich oft vernachlässig und leidet viel unter Angst. Ich habe sie jedoch auch als aufgewecktes und fröhliches Mädchen kennengelernt.

April
Schon in jungen Jahren erkrankt April an Magersucht. Allerdings scheint diese nicht einfach nur ein Schönheitswahn zu sein, sondern ein lauter Hilferuf an ihre Eltern.
Dazu jedoch mehr unter meine Meinung.

Das Cover ist zwar schlicht gehalten und doch hat es eine große Aussagekraft für mich. Die Farbe blau steht für die Ruhe und Entspannung. Aber finden wir das wirklich auch im Buch wieder? Ein Vogel steht für mich für Freiheit. Die Freiheit überall hin zugehen, wohin man gerade möchte. Hat denn ein Mensch nicht das Recht, über sein Leben selbst zu bestimmen?
Der Klappentext besteht nur aus wenigen Sätzen und doch hat er mein Interesse geweckt. Was hat es mit dem Frühling auf sich und ist jemand gestorben?
Ich finde, dass das Buch nicht nur die Magersucht thematisiert, sondern viel mehr. Klar steht erst einmal die Magersucht und der psychiatrische Aufenthalt von April im Fokus, aber schaut man hinter die Kulissen, dann erkennt man so viel mehr.
April scheint für mich hochintelligent zu sein und genau darin lag wohl die Schwierigkeit ihrer Eltern. Denn sie kamen wohl nicht damit klar. Die Schwierigkeiten mit ihren Eltern und, dass sie ständig an allem Schuld bekommt, muss Aprils Psyche wohl sehr belastet haben. Wie kann das auch anders sein, bei einem so jungen Geschöpf.
Bei Phoebe war es wohl anfangs anders. Als sie auf die Welt kam, war sie der Mittelpunkt der Familie. Alle Aufmerksamkeit fokussierte sich auf sie und daher wurde April im Schatten stehen gelassen. Nun hat sich das Blatt jedoch gewendet. Durch die Trauer um April beginnen nun ihre Eltern auch sie zu vernachlässigen und merken nicht, wie sehr Phoebe darunter leidet. Ob es auch irgendwann zum großen Knall kommt?

Das Buch steckt voller wunderbaren Sätzen. Hier zwei, die ich besonders toll finde:

Aber um ein Lachen sollte man normalerweise auch nicht bitten müssen. Ein Lachen sollte man geschenkt bekommen. So wie Liebe. Und Ostereier. (S. 15)

Aber weil ich ja weiß, dass du am liebsten den Kranich hast, und weil schließlich irgendwer für dich fliegen muss, wenn du gerade nicht mehr weißt, wie das geht, habe ich den Kranich ausgewählt. Und ich habe gewonnen! Für dich.

Das Buch hat mich von Anfang an mitgenommen und ich habe sowohl mit Phoebe, als auch mit April mitgelitten. Allerdings ist das Buch auch wirklich nicht einfach. Ihr werdet von einem emotionalen Ritt, in einen andere Katapultiert und die ein oder andere Stelle ist nicht leicht zu verdauen. Ich selbst habe mir lange Gedanken über das Buch gemacht und bin zu dem Entschluss gekommen, dass mir das Buch sehr viel mit auf den Weg gegeben hat!
Aber ich musste auch an vielen Stellen wirklich schmunzeln. Gerade Phoebe, da sie noch so jung ist, verzaubert die Welt mit ihren Worten. Sie zeigt bildlich auf, was sie gerne in Zukunft tun möchte und wie es ihr geht. Dabei schafft sie es, nicht nur den Leser zum nachdenken zu bringen, sondern wirklich auch zum schmunzeln.
Wer gerne etwas über das Thema Magersucht und Familienkonflikte lesen möchte, der macht bei dem Buch nichts falsch!

Cover       :     5/5 Sterne
Schreibstil  :  5/5 Sterne
Spannung   : 5/5 Sterne
Charaktere  : 5/5 Sterne
Inhalt       :   5/5 Sterne
Klappentext    :5//5 Sterne

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